17. Oktober 2014

Mein Freund, der Lord

Bistro Zicke, Düsseldorf.
Ich bin abends mit Rupert verabredet. 

Wir haben vor vielen Jahren zusammen gearbeitet und uns später aus den Augen verloren. Bis Rupert neulich plötzlich in meinem Büro stand. Kennen Sie Menschen, die Sie ewig nicht gesehen haben und mit denen Sie trotzdem sofort wieder auf derselben Welle schwimmen und quatschen, als hättden Sie sich erst vor drei Wochen gesehen?

So verhält es sich auch mit Rupert.

Erinnerungen verbinden. Gemeinsam verbrachte Mittagspausen. Der Tratsch. Die Welt der Reichen und Schönen. Es ist kaum zu fassen, aber Rupert kennt sich noch besser mit Prominenten und dem europäischen Hochadel aus als ich.Topmodisch ist er auch, der Rupert. Neben ihm fühlt man sich schlicht und ergreifend optisch nichtssagend und kann nicht umhin, seinen Stil zu bewundern.

Rechts am Fenster in der Zicke sitzt er, mein Ex-Kollege, den ich trotz jahrelanger Kommunikationspause als Freund bezeichnen möchte. Wir begrüßen uns herzlich und lachen an unserem kleinen Tischchen und bestellen uns wie vor 20 Jahren sardischen Zucchinikuchen und Kartoffeln mit Quark. 

Gute Gerichte haben Bestand. Genauso wie gute Gespräche.

Das Update unserer letzten Jahre lässt uns zwischen Lachen und Weinen schwanken. Neben urkomischen Begebenheiten hat uns das Leben einige Traurigkeiten serviert, obwohl wir diese nicht bestellt hatten. "Das tut mir leid" sagen wir beide mehr als einmal und meinen es auch so.

Rupert kriegt irgendwie die Kurve. Er muss mir was Irres erzählen.

"Ich habe meinen Vierzigsten in Südfrankreich gefeiert und eine Villa in Grasse angemietet für meine Familie und enge Freunde. Und irgendwann wurden die Geschenke verteilt und meine Nichte und mein Neffe überreichen mir eine Urkunde. Erstmal habe ich gar nicht verstanden, was das sollte, da stand etwas von einem Stück Land in Kerry. Und jetzt halt dich fest: Weil mir das Land gehört, darf ich mich Lord of Kerry nennen. Rupert, Lord of Kerry!"

Ich gebe zu, ich bin begeistert. Vor mir sitzt der Lord of Kerry am Bistrotisch, isst Pellkartoffeln und trinkt ein Tannenzäpfle. Rupert ist mindestens so ein Adelsjeck wie ich, 
ein besseres Geschenk hätte seine Familie ihm nicht machen können.


Reiseführer National Geografic
 "Im Pass darf ich mich nicht so nennen, in Flugtickets auch nicht. Aber ich benutzte den Titel spaßeshalber bei Hotelreservierungen oder in Restaurants. Neulich habe ich ungefragt ein Zimmer-Upgrade in London bekommen." Wir prusten los.

"Wollen wir zahlen, ich muss morgen früh raus, Euer Lordschaft."

"Das klingt gut, wenn du mich so nennst, lassen wir es doch dabei."

"Ich will auch ´nen Adelstitel. Gibt es so etwas nur, wenn man Grundstücke in Irland erwirbt? Vielleicht könnte ich ein Stück vom Kolpingplatz kaufen. Und dann darf ich mich Lady of Pempelfort nennen. Jaaaa. Oder Princess of Pempelfort. Genial."

"Ich glaube, das geht nicht."

"Mist, das wäre aber auch zu schön gewesen."

Rupert und ich verabschieden uns. Bis zum nächsten Treffen soll auf gar keinen Fall wieder so viel Zeit verstreichen.



Bis wir uns das nächste Mal sehen, brauche ich dringend einen Titel.
Egal woher.




1 Kommentar:

  1. Herrlich, Fröken,

    laß uns gemeinsam etwss Land erwerben und dann reden wir uns nur noch mit Lady an!!
    Welch eine Aussicht! ;-)

    Sincerely

    Your Ladyship

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