7. Juni 2017

Give respect, get respect

Vorgestern auf Facebook.

Ich gucke, was die Facebook-Freunde so gepostet haben, da bleibt mein Blick an einem von einem Bekannten geteilten Foto hängen.

Foto: privat

Sehen Sie ruhig mal genauer hin.
Ein weißes Haus.
Davor eine Wiese.
Männer, die Fotos machen von anderen Männern, die zum Teil nackt auf der Wiese stehen bzw. liegen.

Aufgenommen wurde das Foto offenbar am hellichten Tag in Willingen (Hochsauerland), dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin. Und zwar in genau diesem Haus, auf diesem Grundstück. Dort, wo ich meinen Weg zur Schule abgekürzt habe, dort, wo ich im Winter mit meiner Freundin Inga gerodelt bin, da feiern an den Wochenenden mehr oder minder bekleidete, stark alkoholisierte Typen ihren Junggesellenabschied oder ihren Aufstieg in die Kreisliga.

Gefällt mir nicht.

Mir gefällt das nicht, obwohl ich seit 26 Jahren nicht mehr in Willingen lebe und mit dieser Art Tourismus nur bei meinen seltenen Besuchen konfrontiert werde. Dies dann jedoch meistens schon während der Bahnfahrt, spätestens am Dortmunder Hauptbahnhof wird bei einigen das Niveau und der Verstand direkt mal aufs Abstellgleis geschoben und sich während der Reise so dem Alkohol hingegeben, dass man am Willinger Bahngleis beim Verlassen des Zuges nahtlos in den Vierfüßlerstand hinübergleitet. 

Ein Geheimtipp für Partywochenenden, Mannschaftsfahrten und Junggesellenabschiedstouren ist Willingen schon seit Jahren nicht mehr. Bereits Ende der 70er Jahre bot Müller Touristik Kegeltouren in den berühmt-berüchtigten Sauerland Stern an, der inzwischen mehr auf Familienurlaub und Tagungen setzt. Auch damals flanierten mehr oder weniger feuchtfröhliche, teilweise mit Kümmerlingketten dekorierte Trüppchen durch unseren Ort. Benutzte Kondome und Erbrochenes im Beet waren zu jener Zeit aber noch Ausnahmen.

Heutzutage, so bescheinigen es mir Freunde, Familienangehörige und Facebook-User unter dem Foto, das mein Elternhaus zeigt, übernachtet ein Teil der Willingen-Gäste gar nicht im Ort, sie konsumieren noch nicht einmal in der ortsansässigen Gastronomie, sondern reisen für kleines Geld im Bus an und kaufen ihren Alkohol günstig beim Busfahrer oder im Supermarkt. Diese Tagestouris mischen sich unter die Feiernden, liegen besoffen auf dem Bürgersteig, zerstören Beete oder den Basketballkorb der Kinder meiner Freundin, haben Sex in einheimischen Garagen, prügeln sich. 
Weil Alkohol den Übermut fördert. 
Übermut tut bekanntlich selten gut. In diesem Fall den Einheimischen, die gute Gastgeber sein wollen, aber auch ein Recht auf Respekt und Ruhe haben, Und vor allem den Gästen, die länger als nur ein paar Stunden Urlaub in Willingen machen und den Ort des vielfältigen Angebots an Unterhaltung, Gastronomie, Sport und vor allem der schönen Natur wegen schätzen.

Als ich klein war, warb Willingen noch mit "Heilklimatischer Kurort". In unserem Hotelbetrieb machten Familien über mehrere Generationen Urlaub, manche Gäste verbrachten drei oder vier Wochen bei uns und nahmen im Kurmittelhaus medizinische Anwendungen in Anspruch.
In den 80er Jahren nahm der Kururlaub in Willingen, vermutlich im Zusammenhang mit der Gesundheitsreform, immer weniger Stellenwert ein. Der Partyurlaub gewann an Bedeutung, es kamen mehr Gäste, aber für einen kürzeren Aufenthalt und aus einer anderen Motivation heraus. Das Ortsbild veränderte sich, wie ich während meiner Fahrten in die Heimat feststellen konnte. Willingen ging mit der Zeit. Musste es auch. Die Gemeinde bietet seit Jahren neben der Gastronomie für Feierfreudige perfekt organisierte Großevents wie das Weltcup-Skispringen, Bike-Festival, Schlager-Festival und Harley-Treffen an. Ich schaue mir Fotos auf Facebook an und bin fasziniert, was die Willinger jedes Mal auf die Beine stellen. Hut ab!

Umso trauriger, dass es irgendwann einen Zeitpunkt gab, an dem die Situation sich extrem verschlimmert hat, an dem sich in gewissen Kreisen rumgesprochen hat, dass man in einen Ort im Hochsauerland fahren, all sein gutes Benehmen (so vorhanden) zuhause lassen und sich wie eine "offene Hose" benehmen kann. Wenn man denn überhaupt noch eine Hose trägt (siehe oben). Das hat Willingens Image als Urlaubs- und Erholungsort beschädigt, auch wenn die Feierwütigen nur am Wochenende und an Feiertagen anreisen. 
Es gibt Parallelen zu Goethes Zauberlehrling. "Die ich rief, die Geister, werd´ ich nun nicht los". Und die, die einfach nur anständig (!) feiern, tanzen, flirten, trinken und vielleicht sogar den Ort Willingen erkunden möchten, werden vielleicht mit denen, die herum randalieren, über einen Kamm geschoren. Auch hier muss man genauer hinsehen. 

Ein Bogen, der überspannt wird, reißt irgendwann. 

Genauso verhält es sich mit den Nerven vieler Freunde und Bekannter, die in Willingen leben.
Auch einige Gastronomen haben die Nase voll von Gästen, die sich nicht benehmen können.
Give respect, get respect lautet der Slogan einer Initiative Gastronomie und Respekt, eine knackige englische Ansage, die Kurzform von "Wie du kommst gegangen, so wirst du empfangen". Traurig genug, dass man sich als Gastgeber Respekt erbitten muss...


Logo der Initiative "Gastronomie und Respekt"

Eventuell ist bald eine Änderung in Sicht.

Ab dem 01. Juli tritt eine neue Gefahrenabwehrverordnung in Kraft, die dann hoffentlich diejenigen, die mit Megaphonen Parolen durch den Ort brüllen, an Häuserwände urinieren, ihren Müll in Kuranlagen und auf Privatgrundstücken verteilen, jedermann ihren Piephahn präsentieren etc. zur Räson bringen werden.

Man darf gespannt sein!

Ich bin übrigens auch gespannt auf Eure Meinung und freue mich über Kommentare zu diesem Thema.


1. Juni 2017

Frau Meyer und die Sache mit dem Unterstrich

Mein Alltag:

Einem Kunden (ich nenne ihn Herr Reise, obwohl er so nicht heißt), hatte ich im Februar schon einmal Preise für sein Lieblingshotel auf Menorca genannt. Damals reagierte er nicht auf mein Angebot, meldet sich Ende Mai wieder und fragt, ob es nun vielleicht ein besseres Angebot für die Sommerferien gibt.

Riesenüberraschung: Gibt es nicht.

Menorca profitiert wie andere Reiseziele in Spanien, Portugal, Griechenland, Italien von all jenen Urlaubern, die zur Zeit nicht in die Türkei, nach Ägypten oder Tunesien reisen möchten. Die Preise für die anderen Ziele sind entsprechend der Nachfrage gestiegen. Aber, hey, ich denke mir die Preise nicht aus!

Das Hotel, das der Kunde im letzten Jahr zu einem echten Schnäppchenpreis - allerdings außerhalb der Ferienzeit - bei mir gebucht hat, ist noch teurer geworden. Ich sende ihm per Mail ein paar Alternativen an seine Emailadresse.

Vorgestern haben wir eine Mail im Postfach:

Sehr geehrtes Reisebüro,

die Reiseangebote, die Sie mir geschickt haben, waren sicher nicht für mich, sondern für einen anderen Herr Reise. Versuchen Sie es doch mal mit einem Unterstrich zwischen Vor- und Zunamen, also herr_reise@web.de

Mfg, H. Reise

Peinlich!

Ich schreibe ihm zurück, bedanke mich für die Information und sende die Angebote an die richtige Emailadresse. 

Die Alternativen gefallen unserem Kunden nicht so recht.
Eigentlich will er ja in sein Lieblingshotel.
Nur nicht zu dem aufgerufenen Preis.

Ich suche weiter. Schicke ihm gestern noch ein paar Alternativen, obwohl auch diese nicht an das eine Haus heranreichen werden.

Heute Morgen bekam ich dann folgende Email, wieder von dem falschen Herrn Reise.


Hallo,
der Unterstrich ist schon mal gut, aber hatte Ihr Kunde nicht eine web.de - Adresse statt einer gmx.de - Adresse?   ;-)
Sie können die E-Mail ja nochmal an herr_reise@web.de senden, da könnten Sie Ihren Kunden eher erreichen.
Viele Grüße, H. Reise

Ich kapiere gar nichts mehr. Schaue in meinen gesendeten Emails nach.

Eines der Angebote habe ich versehentlich an herr_reise@gmx.de geschickt und zufällig gehört dem falschen Adressaten auch diese Emailadresse.


Der muss doch denken, dass ich total bescheuert bin.
Nach einigen Minuten des Haareraufens entscheide ich mich zur schriftlichen Flucht nach vorn und antworte dem Herr Reise, der uns gar nicht um Angebote gebeten hat:

Guten Morgen, Herr Reise,

nochmals danke für Ihren Hinweis.

Ich werde sofort eine Email an meinen Trainer des Seminars "Neukundengewinnung durch absichtliche Nutzung falscher Emailadressen" schreiben und ihm sagen, dass diese Methode wenig erfolgreich ist. Im Gegenzug verspreche ich Ihnen, dass ich, FALLS Sie Ihren nächsten Urlaub bei uns buchen, Ihre Angebote alle an den anderen Herr Reise senden werde. Wie klingt das für Sie?

:-))

Scherz beiseite, es tut mir ehrlich leid.
Leider bekomme ich mit meinem höchst gewöhnlichen Nachnamen auch ständig falsche Emails und weiß, wie sehr das nervt.

Ich werde mich fortan bemühen.

Herzliche Grüße aus IHREM Reisebüro

Britta Meyer
Verkaufsbüroleiterin (auch das noch!)


Bisher hat sich Herr Reise nicht gemeldet.
Weder der eine, noch der andere.

Ich werde Sie auf dem Laufenden halten...



21. April 2017

Systemausfall

Gestern.

Frau Meyer hetzt in der Mittagspause mit der U-Bahn ins Stadtzentrum.
Wobei hetzen gar nicht geht, weil die U-Bahn nicht kommt. Es gibt einen düsseldorfweiten Systemausfall der elektronischen Anzeigen an den Gleisen und den Bahnen und sonst läuft auch nichts so richtig.

Am Gleis stehen viele Menschen, die wie ich auf das Eintreffen eines Zuges in die Innenstadt warten, es werden immer mehr. Ich schreibe eine Whatsapp an den Liebsten. Meine Kopfschmerzen vom Morgen sind immer noch nicht weg. Und als wäre das noch nicht genug, geht eine Frau in meiner Nähe recht hektisch auf und ab. So nah und so hektisch, dass ich aufschauen muss.

Das Alter der Frau ist schlecht einzuschätzen. Der Gelbstich ihrer miniplierten Haare und der dunkle Schatten eines Damenbartes verraten die unechte Blondine. Das Gesicht ziemlich faltig, hellblauer Lidschatten, silberne Brille. Der Körper ziemlich schlank, dabei ein recht beachtlicher Bauch. Bei einer jüngeren Dame hätte ich auf den fünften Schwangerschaftsmonat getippt. Die Kleidung ist sehr 80er. Knallblaue Pumps, eine verwaschene helle Jeans mit hoher Taille, darunter ein blauer sehr enger Body (für die Herren: eine Art Turnanzug mit Druckknöpfen im Schritt). Insgesamt eine auffällige Erscheinung. Deshalb verweilt mein Blick vielleicht ein paar Sekunden länger, als dass man von einem Streifen meines Blickes reden könnte.
Die Frau mit der filzigen Dauerwelle (ich will nicht mehr sofort bewerten, sondern wahrnehmen, aber bei dieser Trulla geht das nun wirklich nicht) geht weiter auf und ab und während ich mich wieder dem Liebsten per Whatsapp zuwende, bleibt sie auf meiner Höhe stehen und zischt:

"When I call the CIA, they will immediately come and kill you. They will kill you, I swear." 

Ich stutze und bin der Meinung, dass diese 'Agentin' doch unmöglich mich meinen kann, wo ich immer so nett zu allen bin, dass mir mein Ex-Freund schon vor 20 Jahren mit der Äußerung "Du bist die uneheliche Tochter von Mutter Teresa und Adolph Kolping" mein Gutmenschentum bescheinigte. Dennoch gucke ich mir die Frau noch einmal genauer an, überlege, ob ich nicht was Lustiges antworten soll ("I will call the fashion police and they will put you immediately into jail!"), doch das wäre nicht nett und fällt mir auch erst später ein, nämlich jetzt, wo ich diesen Text schreibe. Die Blonde geht - langsamer nun - rechts ab. Ich blicke auf die Bahnanzeige. Da steht aber nichts. Systemausfall.

Die Frau mit der verwaschenen Jeans dreht sich um und schlendert in meine Richtung. Ich fühle mich unwohl. Auf dem Bahnsteig wird es voller. Vielleicht ist der 5.-Monat-Bauch aus Dynamit. In der heutigen Zeit des Terrors, der Messerstecher und Äxteschwinger fällt es mir schwer, sorglos pfeifend irgendwo herumstehen. Außer vielleicht im heimischen Wohnzimmer.

Nun bleibt die dauergewellte Agentin vor mir stehen, ich schaue angestrengt auf meine Schuhe, ein Blick in ihre Augen könnte sie provozieren. Im Tempo von Schwarzeneggers "Hasta la vista, baby!" sagt sie

"Thank you, CIA!" 

Just in diesem Moment fährt die U-Bahn ein. Thank you, Rheinbahn!
Jetzt hetze ich, und zwar in einen anderen Wagen als die unheimliche Frau, die offenbar auch an einem Systemausfall leidet.

Ich habe sie trotzdem ausführlich beschrieben (siehe oben).

Man weiß ja nie.








13. April 2017

Literaturcamp Bonn 2017 - My very first barcamp


„Mein Name ist …“

„Literatur interessiert mich, weil …“

„Ich lese gerade …“

„Mich beschäftigt gerade …“
 

Diese Sätze sind unser Leitfaden für die Vorstellungsrunde.

Kurz und knackig soll sie sein, denn es nehmen 120 Menschen am Literaturcamp Bonn 2017 teil. Autorinnen/Autoren, Journalistinnen/Journalisten, BloggerInnen, ÜbersetzerInnen, KommunikationstrainerInnen, VerlagsmitarbeiterInnen, BuchhändelerInnen, eine bunt gemischte Meute Schreibender, Lesender und Schaffender, die neugierig auf die Erfahrungen und die Ideen der anderen ist.

Hashtag nicht vergessen!

Überall, wo sozialmedial über das Literaturcamp berichtet wird, ist #LitcampBN17 das Erkennungsmerkmal, auch für Nichtteilnehmer des Barcamps.

Barcamp, was ist das?

Als mich Kommunikationstrainerin und Moderatorin Ute Lange im Februar bei unserem Netzwerktreffen mit Bloggerinnen-Lesung fragte, ob ich Lust hätte, an einem Barcamp teilzunehmen, stellte ich - wieder einmal – fest, dass das Leben da draußen an mir vorbeigeht.

Es gab drei Möglichkeiten, auf Utes Einladung zu reagieren:

1.Wissend gucken, Kopf hin- und herwiegen und „Muss mal meine Termine checken“ murmeln.


2.Mit glänzenden Augen aufgeregt nicken und „Barcamp, klasse! Lerne ich da auch, wie man einen ordentlichen White Russian mixt?“ ausrufen.

3.Ehrlich bleiben und fragen: „Barcamp? Was ist ein Barcamp?“

Ehrlich währt am längsten. Ich entschied mich für 3 und wurde freundlich aufgeklärt, dass es sich bei einem Barcamp um eine Un-Konferenz handelt, bei der die Teilnehmer die Themen für die Sessions/Workshops selber vorschlagen und entwickeln, in diesem Fall Themen rund um das Thema Literatur / Literaturbetrieb. Das klang gut für mich, befand ich mich doch in einer Blockade, nein, in einer Blogkade. Es ging nicht so richtig voran in letzter Zeit. Also machte ich mich auf den Weg von Düsseldorf nach Bonn, wo ich in der Volkshochschule auf kaffeetassentragende, aufgeregt plappernde Barcamper traf, darunter auch - zu meiner Freude - zwei, drei bekannte Gesichter.


Early morning doping am Bahnhof Düsseldorf

Zurück zu den Leitfragen und zur Vorstellungsrunde im Großen Saal der VHS Bonn.

Das Mikrofon ging von Teilnehmer zu Teilnehmer.

Je mehr Menschen sich mittels Leitfragen vorstellten, desto mehr überdachte ich meine eigenen Antworten, die ich auf meinem Namensschild notiert hatte. Ich war recht beeindruckt von dem, was meine neue Camp-Familie so von sich gab (Wiedergabe ohne Garantie, aus dem Gedächtnis protokolliert):

„Mein Name ist XY, in Twitter bekannt unter …, mein Autorenname ist …“

„Literatur interessiert mich, weil ich lesen und schreiben kann/ich mir eine Leben ohne nicht vorstellen kann/sie brauche, wie die Luft zum Atmen.“

„Ich lese gerade Spieltrieb von Juli Zeh/Atemschaukel von Herta Müller/Salt Water von Shreyas Rajagopal/(denken Sie sich hier Buchtitel osteuropäisch klingender Autoren, die ich gerade nicht parat habe).“

„Mich beschäftigt gerade das Literaturcamp Bonn/mein dritter Fantasy-Romans/die Fertigstelltung meines zweiten Krimis/die Übersetzung des Romans … aus dem Hebräischen ins Deutsche.“

Wow. Ich rutschte auf meinem Stuhl ein wenig tiefer. War ich hier richtig? Literaturcamp. Was hatte ich denn gedacht?

Vor allem die Ergänzung zu „Ich lese gerade…“ musste ich gaaanz schnell ändern. Als ein junger Mann zwei Reihen hinter mir erzählte, dass er gerade Ulysses im Original und parallel noch irgendetwas Anderes liest, nahm mein Hirn Fahrt auf. Und als ich schwitzend überlegte, ob ich einfach Krieg und Frieden in den Raum werfen sollte oder lieber Seethalers Der Trafikant, drückte mir die Dame neben mir das Mikro in die Hand. Ich stand auf und hörte mich Folgendes sagen:

„Mein Name ist Britta Meyer. Literatur interessiert mich, weil es mich fasziniert, was Worte auszulösen vermögen. Ich lese gerade… (komm, sach ehrlich, Frau Meyer) Risiko Bauchfett von Dr. Nicole Schaenzler (ein paar lachen, immerhin) und mich beschäftigt gerade Twitter, weil ohne geht´s ja wohl nicht mehr.“

Ich bin beeindruckt, welche Ideen einige Camp-Teilnehmer für die Sessions (Diskussionsrunden) haben und habe direkt wieder ein Problem: Ich kann mich nicht entscheiden und hebe bei fast jedem Vorschlag die Hand, um mein Interesse zu bekunden, lege mich dann schließlich auf Komplexitätsreduktion / Zeitmanagement von Edda Klepp, Netzwerken im Literaturbetrieb von Jasmin „Zippi“ Zipperling, Kreatives Schreiben von Beate Fuhrmann und Bloggen für Autoren, ebenfalls durchgeführt von Edda Klepp.

Den ganzen wertvollen Input, den ich durch die Sessions und die Gespräche mit den anderen Campteilnehmern erhalten habe, wiederzugeben, würde ehrlich den Rahmen sprengen. Meine wichtigsten Erkenntnisse sind folgende:

Aufgaben beenden (Multitasking führt dazu, mich zu verzetteln).
 

Auf meinem Blog Persönlichkeit zeigen, die Regeln auf meinem Blog bestimme ich. Danke, Edda!

Twitter nicht unbedingt als Selfmarketing-Tool sehen, sondern zum Netzwerken nutzen.

In Social Media nicht nur quengeln und verurteilen, sondern loben und Positives hervorheben. Federwelt lesen, bei Autorenwelt anmelden.
Danke, Zippi!

Ruhig schreiben um des Schreibens willen, mit der Hand schreiben, da viel bessere Verknüpfung mit dem Hirn. Wenn mir nichts einfällt, Kringel malen, um die Hand in Bewegung zu halten.
Danke, Beate!

Neues wagen, neugierig bleiben, weitere Barcamps zwecks Austausch besuchen. Barcamps machen einen auf keinen Fall dümmer, sie inspirieren und motivieren. Danke, Ute!

Und: Ehrlich bleiben, Frau Meyer.
Risiko Bauchfett ist Literatur.
Sachliteratur.

:-)

8. März 2017

So. Jetzt aber.

Frohes neues Jahr

Ja, so mancher von Ihnen wird einen Blick auf den Kalender werfen, den Kopf schütteln und denken, dass das der Frau Meyer aber früh einfällt mit den guten Wünschen zum neuen Jahr. Was so neu nicht mehr ist. Es ist zwei Monate, eine Woche und einen Tag alt. Dennoch ist es mir ein Anliegen, Ihnen allen ein frohes neues Jahr zu wünschen. Und Gesundheit, die vor allem.

Wie so oft bin ich spät dran.

Ich habe es noch nicht einmal geschafft, das volle Glas, in dem ich im letzten Jahr Zettel sammelte, auf denen ich besonders schöne Momente notiert hatte, zu leeren und Platz für neue schöne Momente zu machen. Neben traurigen Ereignissen, die Teile meiner Familie und die Familie einer lieben Kollegin erschütterten (Krebs ist ein heimtückisches Arschloch. Punkt.), gibt es immer wieder Augenblicke der Freude. Und auch hier macht Kleinvieh manchmal Mist. 


Ein besonders gelungener Abend mit Freunden.
Ein Spaziergang in der Sonne.
Eine lustige Email deines Bruders.
Ein Lied, das du schon ewig nicht mehr gehört hast und das dich direkt in eine Zeitmaschine setzt und ins Jahr 1987 bringt.
Eine Diskussion über Dinos mit einem Fünfjährigen.
Eine Whatsapp von einer Freundin, für die sich ein lang gehegter Wunsch erfüllt.
Eishockey mit Martina (auch wenn wir gegen die Haie verloren haben)

Dies alles sind nur ein paar Beispiele für Dinge, die auf einen Zettel und ins Glas mit den schönen Momenten gehören. 

Und Jürgen Marcus mag ein wenig übertreiben, wenn er singt, dass eine neue Liebe wie ein neues Leben ist (nanananananaaa). Sie tut auf jeden Fall verdammt gut. (Karl aus Füssen, wenn du diesen Blogpost liest: Frau Meyer ist vom Markt und wird dich auch im nächsten Sommer nicht auf deiner Alm besuchen).  

Manche Dinge ändern sich, manche nicht

Auch in 2017 sitzen Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln am liebsten am Gang, gern und besonders während der Rush Hour. "Wie, ich soll meinen Rucksack/Einkaufstüte/Laptop vom Nachbarsitz nehmen, damit Mitreisende Platz nehmen können?" *augenrollundschnauf*

Alle paar Monate begegnet mir in der U79 dieser Wichtigtuer. In 2017 hatte ich wieder das Vergnügen, dem 1,63 m-Mann im Anzug, dessen fast kahlrasierter Schädel ein wuchtiges Headset schmückt, in der Bahn zu treffen. Er bellt Drohungen in seinen Kopfhörer. 

"Wenn man mir da nicht entgegenkommt, kündige ich den Vertrag." 
"Noch so eine Aktion und die werden mich mal richtig kennenlernen."
"So geht das nicht, Herr XY, sooo nicht

Ich vermute, am anderen Ende der Leitung ist gar keiner. Der Mann, der während seiner Ansagen den Blick umherschweifen lässt und schaut, dass ihm auch ja alle zuhören, ist als Kind nicht gestillt worden oder kriegt dauernd einen vom Chef drüber. Er braucht Aufmerksamkeit.  

Ohne Weiteres könnte er als Trumps Bodyguard oder eiskalter Bond-Gegenspieler durchgehen (dass er Sport macht, sieht man), zöge er nicht einen Trolley mit fettem KMPG-Aufkleber hinter sich her. Für die nächste Begegnung mit dem KMPG-Männeken habe ich ein launiges Lied auf mein Smartphone downgeloaded, das ich laut neben ihm abspielen werde. Hoffe, er versteht die Messag

Glücklicherweise gäbe es im aktuellen Jahr schon einige mit schönen Ereignissen zu beschriftende Zettel (muss nur das Glas leeren, siehe oben). Einen besonders großen würde ich dem Blog-Marathon anlässlich eines Neujahrstreffens des Netzwerks stilsicher (das ab sofort Kreativ am Fluss heißt) am 10. Februar in Karlottas Café in Bad Honnef widmen. Mann, war das toll! Eine wunderschöne Location, vier sehr unterschiedliche Bloggerinnen, ein interessiertes und begeisterungsfähiges Publikum, alles organisiert und initiiert von Ursula Kollritsch und unterstützt von Netzwerkgründerin Stephanie Jana. Autorinnenherz, was willste mehr? 

Foto: Ursula Kollritsch www.sommer-frisch.de

Foto: Simone Blaschke www.blaschke-pr.de

      Karin Wilhelm, Michèle Lichte, Britta Meyer, Sabine Anne          Lück                                          Foto: Simone Blaschke


Entsprechend positiv fiel der Artikel des Bonner Generalanzeiger aus. 

Ich habe wieder gemerkt, wie wichtig der Austausch, neudeutsch Networking, ist. Das "Wie machst du das?", "Was ist dir wichtig?", "Wie kriegste das hin?" statt im stillen Kämmerlein vor sich hinzupuzzeln (und ich habe ja leider nicht viel gepuzzelt in den letzten Monaten, für diese 'Blogkade' gibt es diverse Gründe). Meine Begeisterung nach unserer Lesung hat mich veranlasst, mich zwecks weiterem Networking zum Literaturcamp NRW in Bonn am 08. April anzumelden. Das gibt wieder einen Zettel für das Schöne Momente - Glas, da bin ich sicher!

Das Jahr ist noch (ziemlich) jung, die Vorsätze überschaubar:


Regelmäßiger schreiben und wahnsinnige Autorenkarriere ankurbeln
Netzwerken mit anderen Bloggern und Autoren
Mehr Bewegung (der Rücken, die Schulter!)
Horizont erweitern  
Lachen
Mutig sein 

Und die Blogs meiner Kolleginnen verfolgen:

kwerdenkerin  (Karin Wilhelm)

Lichte Momente  (Michèle Lichte)

Tage im Garten  (Sabine Anne Lück)


Bis bald, 


Ihre Frau Meyer