11. August 2017

Fragen (KW 32)


Warum macht gesundes Essen so viel Dreck?
Quinoa, Vollwertreis, rote Linsen, ayurvedischer Brei setzen sich in den kleinsten Ritzen meiner Küche fest. Bei Weizenbrot mit Gouda passiert das nicht.

Wieso stöhnen viele Männer im Fitness-Studio so laut, als zögen sie allein eine Lokomotive hinter sich her, und lassen nach vier Wiederholungen ihrer Übung die Gewichte aufeinanderknallen wie bei einem Meteoriteneinschlag?
Tipp: Einfach weniger Kilos stemmen.

Glaubt ein hübsches gepierctes junges Mädchen wirklich, dass ich Mitglied bei Amnesty werde, wenn es sich mir nach meinem Feierabend wild wedelnd in den Weg wirft und Huhu ruft?
Ich habe früher an der Wohnungstür auch keine Zeitungs-Abos von Drückern gekauft.

Warum rezensiert ein Mensch konsequent negativ meine Veröffentlichungen, obwohl er schon beim Lesen meines eBooks Neues von Frau Meyer feststellte, dass er meine Schreibe als humor- und pointenlos empfindet.
Ich mag zum Beispiel keine Innereien. Bestelle ich mir Nieren, Leber oder Hirn und sage anschließend "Iiih, mag ich nicht"? Nö.

Wer ist Ennesto Monte? Und müsste es nicht Ernesto heißen?
Im RTL Sommerhaus der Stars sitzen Menschen, von denen ich noch nie gehört habe. Muss wohl an meinem Alter liegen.
Und natürlich habe ich dort nur versehentlich reingezappt.

Apropos Sommer: Ist der Sommer beleidigt, weil wir vor Wochen unter der Hitze gestöhnt haben und wird deshalb kurzum zum Herbst?
Hey, Sommer, ich weiß, du kannst es nicht jedem Recht machen, aber ich denke, bei 26°C und leichtem Wind erreichst du eine ziemlich große Fangemeinde.

Sonntag soll die Sonne scheinen.
In diesem Sinn: Ein schönes Wochenende.

😎






4. August 2017

Erst hatten sie kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu

M. ist nicht nur eine sehr, sehr gute und treue Freundin von mir, sie ist auch eine super Patentante.

Sie verbringt oft Zeit mit ihrem jungendlichen Neffen.
Ninja Warrior gucken, Billiard oder LaserTag spielen, anschließend Burger essen, das machen die Tante und Neffe gern zusammen. Und Sportevents gucken oder sogar besuchen, das mögen beide ganz besonders.

Der Junge ist FC Bayern-Fan, aber ansonsten völlig in Ordnung. ;-)

Morgen ist Supercup.

Da spielen die Rot-Weißen gegen die Schwarz-Gelben von der Borussia im Signal Iduna Park in Dortmund. Supertante M. hatte für dieses Event Ende Juni Tickets geordert und Anfang Juli bezahlt. Dann gingen die Tickets auf den Postweg.
Dieser Postweg stellte sich als Holzweg heraus, denn die Tickets sind nicht in M.s Briefkasten gelandet. Bis heute nicht. Und morgen findet um 20 Uhr 30 der Supercup statt.

Vom Ticketanbieter erhielt meine Freundin M. eine Email, die ihr auch den letzten Restfunken Hoffnung nahm, morgen mit ihrem sportbegeisterten Patenkind im Stadion zu sitzen.

Sehr geehrte(r) Frau ...,

wir wissen, dass Sie Ihre Tickets für das Spiel noch nicht erhalten haben.
Leider ist eine Sendung mit mehreren Tickets bei DHL verloren gegangen.
Wir sind natürlich in Kontakt mit DHL, aber die Sendung ist nicht mehr auffindbar.
Auch der BVB kann oder will leider nicht helfen. Kurz gesagt: Uns sind leider die Hände gebunden.
Wir können uns nur entschuldigen!

Teilen Sie uns bitte Ihre Kontoverbindung mit und wir erstatten den Betrag sofort und stornieren den Auftrag.

Sollten die Tickets wider Erwarten noch auftauchen werden wir Sie natürlich informieren, aber zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir leider nicht davon aus.


Mit freundlichen blablabla

Ich lese das an mich weitergeleitete Schreiben vom Ticketanbieter und gerate sofort in einen Zustand regelrechter Co-Wut. Die Sportfans haben sich wahnsinnig auf den morgigen Tag gefreut, und da ist es auch kein Trost, wenn das Geld erstattet wird.
Wäre ja auch noch schöner, wenn nicht.

Irgendwie fühlt sich wieder keiner so recht verantwortlich, so scheint es.

Die Frage ist: Wo sind die Tickets?
Hat sich die jemand aus der Post gefischt und freut sich?
War eine Aushilfe mit dem Liefern der Post überfordert und hat die Umschläge bei sich im Keller gebunkert?
Manchmal liest man so etwas...
Sind die Tickets überhaupt verschickt worden?

Alles Spekulation.

Fakt ist:
Supercup ohne Supertante und Superneffen = SUPERGAU

Ich denke, Freundin M. und ihr Neffe gucken das Spiel mit der ganzen Familie im Zweiten.

Vielleicht grillt Superoma vorher ein paar Würstchen.
Dazu wünsche ich viel Spaß.

Trotz allem.


 





21. Juli 2017

Ich glaub, ´ne Gemse werd´ ich nie


Endlich wieder im Allgäu.

Das Gewusel am Gleis 3 des Oberstdorfer Bahnhof konnte meine Freude nicht trüben.
Schon hier genoss ich die frische Luft, mit der sich meine Lungen füllten.
Jauchzet, ihr Alveolen, frohlocket, ihr Erythrocyten!

Letztes Jahr war ich als Single allein im Allgäu unterwegs.
Wandern, Wellness, radeln, alles sehr erholsam, aber alles auch ein bisschen...na, allein eben. Der Karl hatte in Füssen versucht, mit mir anzubändeln. Ohne Erfolg.

In diesem Sommer hatte ich eine Begleitung dabei.
Sogar eine männliche.
Sogar eine, die genauso gerne wandert und frische Luft atmet wie ich.


Niemals würde ich völlig unvorbereitet einen Aktivurlaub antreten. Eine Woche mit fünf möglichen Wandertagen musste gut durchdacht sein. Mein Bruder schenkte mir zum Geburtstag den Rother Wanderführer Leichte Wanderungen - Genusstouren im Allgäu, Kleinwalsertal und Tannheimer Tal. Darin blätterte ich und schaute, welche Routen abwechslungsreich und mit meiner Kondition wanderbar erschienen. Bezüglich der Kondition meines mitgereisten Naturburschen und ehemaligen Pfadfinders machte ich mir keine Sorgen.

Sorgen machte ich mir nur ein wenig um das Wetter. Die ersten beiden Tage regnete es.
Aber da wir ohnehin nass wurden, gingen wir auch gleich die Breitachklamm hoch, wo der Fluss toste und die Wasserfälle niederprasselten.






Zwei Tage später scheint die Sonne.

"Entschuldigung, geht es hier zum Engeratsgundsee?" fragt mein Freund eine agile Seniorin, deren faltige Bräune auf viele Outdoor-Aktivitäten hindeutet und die mit ihren Wanderstöcken an uns vorbeiziehen will.
Ich habe meine Stöcke heute Morgen vergessen. Ob die mir auf diesem Wanderweg geholfen hätten, ist fraglich. Es geht seit Stunden über Geröll und Schneefelder, was ich anfangs gern als sportliche Herausforderung annahm.


"Das geht in die Richtung", sagt die Wanderin im Vorbeigehen, "dauert ungefähr zwei Stunden. Wenn´s ihr noch die Bahn ins Tal erwischen wollt, müsst´s ihr aber langsam zurück."

Waaaaas? Ich möchte weinen.

Wegen der Seen sind wir eigentlich hier oben, ein Panoramaweg wurde vom Wanderbuch und dem Internet versprochen, traumhafte Ausblicke (stimmt!) auf vierhundert Gipfel (wir haben es nicht nachgezählt, aber es waren sehr viele), leicht zu meistern (naja...). Ich bin mir gar nicht sicher, ob dieser Weg Nr. 6 ab Nebelhornstation Höfatsblick überhaupt der Weg ist, den ich ausgewählt hatte. Wenn er es ist, muss ich meine Interpretation von "auch für ungeübte Wanderer mit einer gewissen Trittsicherheit und Höhentauglichkeit" überdenken.

Wenn er es nicht ist, habe ich mich total vertan. In beiden Fällen kann ich meinen Wander- und Lebensgefährten nicht verantwortlich machen. Blöd.
Nachdem wir uns verlaufen haben und der Nebelhorngipfel fast schon zum Greifen nah ist, kehren wir um und orientieren uns neu. Hochplateau Koblat steht auf einem Schild. Da konnte der Koblatsee doch nicht weit sein. Weg Nr. 6 setzt alpine Erfahrung und Ausrüstung voraus, dies steht widerum auf einem Schild einer Liftstation.




Unsere bisherigen Wanderungen durch die Elfringhäuser Schweiz, den Grafenberger Wald und das Münsterland waren offenbar nicht alpin genug. Wanderschuhe und Rucksack sind wohl keine ausreichende alpine Ausrüstung. Es fehlen die Stöcke und Handschuhe, die unsere Hände beim Hochziehen an oder Abstützen auf den Felsen schützen könnten.
Und mir fehlte definitiv ein wenig Kondition. Die kann man nirgendwo kaufen.

Meine Panik, die letzte Bahn ins Tal nicht zu erreichen, lässt mich kurz erstarren, dann treibt sie mich zur Eile an. Wir gehen, nein, steigen denselben Weg zurück. Der traumhafte Ausblick auf die vierhundert Gipfel ist mir inzwischen egal. Der Gipfel ist diese Wanderung! Schweiß läuft aus allen meinen Poren. Das Herz schlägt schneller. Die Sonne verschwindet hinter den Wolken. Ich fluche ziemlich laut, was meinen Weggefährten veranlasst, mich zwischendurch zu beschwichtigen. "Mach dir keinen Kopf, da sind noch einige Leute hinter uns, die wollen doch sicher auch zur Bahn."

Der Vater mit seiner Tochter zum Beispiel.
Das junge Pärchen.
Die circa achtzigjährige Dame, die ein bisschen schwer atmet, um dann in einen munteren gemsenartigen Aufstieg zu wechseln.
Alle überholen uns behände.

Ich schnaufe mit hochrotem Kopf. Und schäme mich, dass ich schnaufe. Was ist denn los mit mir? Der Sherpa an meiner Seite lächelt immer noch und ist die Ruhe selbst, während ich mich schon von einem Heli abtransportiert zu drohen glaube. Wie immer, wenn meine Kräfte nachlassen, werde ich pampig. "Jaaaa, alle noch hinter uns. Vor allem die Omma, die gerade noch hinter uns lief und jetzt der rote Punkt da oben auf dem Kamm ist. Warum ist die so fit? Ist wahrscheinlich früher diesen Weg zur Schule gegangen. Barfuß."
Ich grummele den Rest des Weges vor mich hin, bis irgendwann die Station Höfatsblick in der Ferne zu sehen ist. Dort geht dann auch der Weg mit der Gondel ins Tal.
Nachdem wir eine Stunde in der Warteschlange anstehen.

Im Tal gibt es Weißbier, Schupfnudeln und Kraut zur Belohnung.
Neue Knie gibt es leider nicht im Angebot in der Alten Sennküche. 

Meine Laune bessert sich dennoch schnell. Dieser Weg da oben unter dem Nebelhorn war kein leichter und hat mich an meine Grenzen gebracht, war jedoch - im Nachhinein betrachtet - eine meiner schönsten Urlaubserlebnisse überhaupt. 

Ich glaub´, ´ne Gemse werd´ ich nie.

Aber ich gebe ein prima Murmeltier ab.






Fotos © Britta Meyer





















7. Juni 2017

Give respect, get respect

Vorgestern auf Facebook.

Ich gucke, was die Facebook-Freunde so gepostet haben, da bleibt mein Blick an einem von einem Bekannten geteilten Foto hängen.

Foto: privat

Sehen Sie ruhig mal genauer hin.
Ein weißes Haus.
Davor eine Wiese.
Männer, die Fotos machen von anderen Männern, die zum Teil nackt auf der Wiese stehen bzw. liegen.

Aufgenommen wurde das Foto offenbar am hellichten Tag in Willingen (Hochsauerland), dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin. Und zwar in genau diesem Haus, auf diesem Grundstück. Dort, wo ich meinen Weg zur Schule abgekürzt habe, dort, wo ich im Winter mit meiner Freundin Inga gerodelt bin, da feiern an den Wochenenden mehr oder minder bekleidete, stark alkoholisierte Typen ihren Junggesellenabschied oder ihren Aufstieg in die Kreisliga.

Gefällt mir nicht.

Mir gefällt das nicht, obwohl ich seit 26 Jahren nicht mehr in Willingen lebe und mit dieser Art Tourismus nur bei meinen seltenen Besuchen konfrontiert werde. Dies dann jedoch meistens schon während der Bahnfahrt, spätestens am Dortmunder Hauptbahnhof wird bei einigen das Niveau und der Verstand direkt mal aufs Abstellgleis geschoben und sich während der Reise so dem Alkohol hingegeben, dass man am Willinger Bahngleis beim Verlassen des Zuges nahtlos in den Vierfüßlerstand hinübergleitet. 

Ein Geheimtipp für Partywochenenden, Mannschaftsfahrten und Junggesellenabschiedstouren ist Willingen schon seit Jahren nicht mehr. Bereits Ende der 70er Jahre bot Müller Touristik Kegeltouren in den berühmt-berüchtigten Sauerland Stern an, der inzwischen mehr auf Familienurlaub und Tagungen setzt. Auch damals flanierten mehr oder weniger feuchtfröhliche, teilweise mit Kümmerlingketten dekorierte Trüppchen durch unseren Ort. Benutzte Kondome und Erbrochenes im Beet waren zu jener Zeit aber noch Ausnahmen.

Heutzutage, so bescheinigen es mir Freunde, Familienangehörige und Facebook-User unter dem Foto, das mein Elternhaus zeigt, übernachtet ein Teil der Willingen-Gäste gar nicht im Ort, sie konsumieren noch nicht einmal in der ortsansässigen Gastronomie, sondern reisen für kleines Geld im Bus an und kaufen ihren Alkohol günstig beim Busfahrer oder im Supermarkt. Diese Tagestouris mischen sich unter die Feiernden, liegen besoffen auf dem Bürgersteig, zerstören Beete oder den Basketballkorb der Kinder meiner Freundin, haben Sex in einheimischen Garagen, prügeln sich. 
Weil Alkohol den Übermut fördert. 
Übermut tut bekanntlich selten gut. In diesem Fall den Einheimischen, die gute Gastgeber sein wollen, aber auch ein Recht auf Respekt und Ruhe haben, Und vor allem den Gästen, die länger als nur ein paar Stunden Urlaub in Willingen machen und den Ort des vielfältigen Angebots an Unterhaltung, Gastronomie, Sport und vor allem der schönen Natur wegen schätzen.

Als ich klein war, warb Willingen noch mit "Heilklimatischer Kurort". In unserem Hotelbetrieb machten Familien über mehrere Generationen Urlaub, manche Gäste verbrachten drei oder vier Wochen bei uns und nahmen im Kurmittelhaus medizinische Anwendungen in Anspruch.
In den 80er Jahren nahm der Kururlaub in Willingen, vermutlich im Zusammenhang mit der Gesundheitsreform, immer weniger Stellenwert ein. Der Partyurlaub gewann an Bedeutung, es kamen mehr Gäste, aber für einen kürzeren Aufenthalt und aus einer anderen Motivation heraus. Das Ortsbild veränderte sich, wie ich während meiner Fahrten in die Heimat feststellen konnte. Willingen ging mit der Zeit. Musste es auch. Die Gemeinde bietet seit Jahren neben der Gastronomie für Feierfreudige perfekt organisierte Großevents wie das Weltcup-Skispringen, Bike-Festival, Schlager-Festival und Harley-Treffen an. Ich schaue mir Fotos auf Facebook an und bin fasziniert, was die Willinger jedes Mal auf die Beine stellen. Hut ab!

Umso trauriger, dass es irgendwann einen Zeitpunkt gab, an dem die Situation sich extrem verschlimmert hat, an dem sich in gewissen Kreisen rumgesprochen hat, dass man in einen Ort im Hochsauerland fahren, all sein gutes Benehmen (so vorhanden) zuhause lassen und sich wie eine "offene Hose" benehmen kann. Wenn man denn überhaupt noch eine Hose trägt (siehe oben). Das hat Willingens Image als Urlaubs- und Erholungsort beschädigt, auch wenn die Feierwütigen nur am Wochenende und an Feiertagen anreisen. 
Es gibt Parallelen zu Goethes Zauberlehrling. "Die ich rief, die Geister, werd´ ich nun nicht los". Und die, die einfach nur anständig (!) feiern, tanzen, flirten, trinken und vielleicht sogar den Ort Willingen erkunden möchten, werden vielleicht mit denen, die herum randalieren, über einen Kamm geschoren. Auch hier muss man genauer hinsehen. 

Ein Bogen, der überspannt wird, reißt irgendwann. 

Genauso verhält es sich mit den Nerven vieler Freunde und Bekannter, die in Willingen leben.
Auch einige Gastronomen haben die Nase voll von Gästen, die sich nicht benehmen können.
Give respect, get respect lautet der Slogan einer Initiative Gastronomie und Respekt, eine knackige englische Ansage, die Kurzform von "Wie du kommst gegangen, so wirst du empfangen". Traurig genug, dass man sich als Gastgeber Respekt erbitten muss...


Logo der Initiative "Gastronomie und Respekt"

Eventuell ist bald eine Änderung in Sicht.

Ab dem 01. Juli tritt eine neue Gefahrenabwehrverordnung in Kraft, die dann hoffentlich diejenigen, die mit Megaphonen Parolen durch den Ort brüllen, an Häuserwände urinieren, ihren Müll in Kuranlagen und auf Privatgrundstücken verteilen, jedermann ihren Piephahn präsentieren etc. zur Räson bringen werden.

Man darf gespannt sein!

Ich bin übrigens auch gespannt auf Eure Meinung und freue mich über Kommentare zu diesem Thema.


1. Juni 2017

Frau Meyer und die Sache mit dem Unterstrich

Mein Alltag:

Einem Kunden (ich nenne ihn Herr Reise, obwohl er so nicht heißt), hatte ich im Februar schon einmal Preise für sein Lieblingshotel auf Menorca genannt. Damals reagierte er nicht auf mein Angebot, meldet sich Ende Mai wieder und fragt, ob es nun vielleicht ein besseres Angebot für die Sommerferien gibt.

Riesenüberraschung: Gibt es nicht.

Menorca profitiert wie andere Reiseziele in Spanien, Portugal, Griechenland, Italien von all jenen Urlaubern, die zur Zeit nicht in die Türkei, nach Ägypten oder Tunesien reisen möchten. Die Preise für die anderen Ziele sind entsprechend der Nachfrage gestiegen. Aber, hey, ich denke mir die Preise nicht aus!

Das Hotel, das der Kunde im letzten Jahr zu einem echten Schnäppchenpreis - allerdings außerhalb der Ferienzeit - bei mir gebucht hat, ist noch teurer geworden. Ich sende ihm per Mail ein paar Alternativen an seine Emailadresse.

Vorgestern haben wir eine Mail im Postfach:

Sehr geehrtes Reisebüro,

die Reiseangebote, die Sie mir geschickt haben, waren sicher nicht für mich, sondern für einen anderen Herr Reise. Versuchen Sie es doch mal mit einem Unterstrich zwischen Vor- und Zunamen, also herr_reise@web.de

Mfg, H. Reise

Peinlich!

Ich schreibe ihm zurück, bedanke mich für die Information und sende die Angebote an die richtige Emailadresse. 

Die Alternativen gefallen unserem Kunden nicht so recht.
Eigentlich will er ja in sein Lieblingshotel.
Nur nicht zu dem aufgerufenen Preis.

Ich suche weiter. Schicke ihm gestern noch ein paar Alternativen, obwohl auch diese nicht an das eine Haus heranreichen werden.

Heute Morgen bekam ich dann folgende Email, wieder von dem falschen Herrn Reise.


Hallo,
der Unterstrich ist schon mal gut, aber hatte Ihr Kunde nicht eine web.de - Adresse statt einer gmx.de - Adresse?   ;-)
Sie können die E-Mail ja nochmal an herr_reise@web.de senden, da könnten Sie Ihren Kunden eher erreichen.
Viele Grüße, H. Reise

Ich kapiere gar nichts mehr. Schaue in meinen gesendeten Emails nach.

Eines der Angebote habe ich versehentlich an herr_reise@gmx.de geschickt und zufällig gehört dem falschen Adressaten auch diese Emailadresse.


Der muss doch denken, dass ich total bescheuert bin.
Nach einigen Minuten des Haareraufens entscheide ich mich zur schriftlichen Flucht nach vorn und antworte dem Herr Reise, der uns gar nicht um Angebote gebeten hat:

Guten Morgen, Herr Reise,

nochmals danke für Ihren Hinweis.

Ich werde sofort eine Email an meinen Trainer des Seminars "Neukundengewinnung durch absichtliche Nutzung falscher Emailadressen" schreiben und ihm sagen, dass diese Methode wenig erfolgreich ist. Im Gegenzug verspreche ich Ihnen, dass ich, FALLS Sie Ihren nächsten Urlaub bei uns buchen, Ihre Angebote alle an den anderen Herr Reise senden werde. Wie klingt das für Sie?

:-))

Scherz beiseite, es tut mir ehrlich leid.
Leider bekomme ich mit meinem höchst gewöhnlichen Nachnamen auch ständig falsche Emails und weiß, wie sehr das nervt.

Ich werde mich fortan bemühen.

Herzliche Grüße aus IHREM Reisebüro

Britta Meyer
Verkaufsbüroleiterin (auch das noch!)


Bisher hat sich Herr Reise nicht gemeldet.
Weder der eine, noch der andere.

Ich werde Sie auf dem Laufenden halten...