21. März 2018

Dumm knipst gut

Freie Plätze in öffentlichen Verkehrsmitteln sind auch nach vielen, vielen Jahren U-Bahnfahren für mich ein Grund zur Freude. 
So wie gestern.
Neben mir sitzen zwei jugendliche Menschen, ein Mann und eine Frau. Sie stöhnt, dass sie keinen Bock auf die Uni hat, die Vorlesungen fucken sie total ab, Alter. Während sie sich beklagt, zwirbelt sie mit den Fingern in ihrem glänzenden dunklen Haar herum. Perfekt geschminkt, sehr schlank. Für ihren Pullover haben einige Polyester ihr Leben lassen müssen. Aus ihrer Richtung dringt strenger Schweißgeruch in meine Nase. 

Dies hält den jungen Herrn nicht davon ab, ihr seine mit Lustigkeit getarnten Hormone zu präsentieren. Sie lacht aber nicht, sie fläzt sich lieber in ihren U-Bahn-Sitz, macht ein Schmollmündchen und ein Selfie von schräg oben. "Ey, Alter, guck mal, ist das geil geworden. Kommt direkt auf Insta. Boah, komm lass uns lieber ´nen Kaffee trinken gehen, die Uni fuckt mich ab." Sie streicht sich die Extensions aus dem Gesicht und schaut lasziv durch die Klebeklimperwimpern und knipst sich nochmal. Während ich aussteige, stellt die Teenagerin auch dieses Foto in Ihre Gruppe

#ichvollsosexyaufmwegzuruni

Das ist aber noch gar nichts gegen meine Umkleidefeindinnen im Fitness-Studio.
Ja, Sie lesen richtig: Fitness-Studio.
Frau wird ja nicht jünger.
Jedenfalls nie wieder so jung wie die beiden besagten Mädels.
Mitte 20, schätze ich.

Sie können nicht leise.
Man selbst steht gerade vor dem winzigen Spind und zieht sich seine Fitnesskleidung an oder aus, da fliegt die Tür der Damenumkleide auf.
Kawumm.

"Aaaalter, hast du das krasse Sixpack gesehen? Mit dem würde ich auch gerne mal trainieren. Zuhause." Trainingspartnerin beömmelt sich. "Ey, ich habe jetzt schon Schmerzen. Wie viele Kilos hast du mir aufgelegt?"

Und schon wird das Smartphone gezückt und die wohlproportionierten Bodys geknipst. Von schräg oben.
"Pass auf, dass die Leggings mit drauf sind."

Die Fitnesshosen sind mit drauf. Genauso wie die ungeschminkte, mittelprächtig trainierte Frau Ende 40, die gerade, notdürftig mit einem Badehandtuch bedeckt, aus der Dusche kommt oder einbeinig wackelnd versucht, eine Socke anzuziehen.

Vor lauter Poserei und Stellungswechseln ("Wahoo, und jetzt Bizeps! Ist die Trinkflasche mit drauf?") achten diese beiden Fitness-Ikonen leider nicht auf Frau Meyer im Hintergrund. Ich bin ungelogen schon zehnmal aus dem Bild gehüpft, habe versucht, mich hinter der Spindtür zu verstecken oder bin in die Hocke gegangen. Mein lautes Stöhnen und auffälliges Augenrollen bemerkten die zwei Mädels nicht.

Kann es sein, dass die mich absichtlich mit aufs Bild nehmen, um ein paar LOLs extra abzusahnen?

Noch wichtiger scheint es zu sein, dass neben ihren Figürken auch die Klamotten und die Accessoires zu sehen sind, die sie vermutlich gesponsert bekommen haben.
Das sind bestimmt Influencer.

Influencer.
Klingt wie Influenza.
In diesem Fall ist beides sehr lästig.

Demnächst knipse ich einfach zurück und poste die Bilder unter

#darfseininstagrammmehrhirnsein















15. Februar 2018

Zucchini


Gestern Vormittag fliegt unsere Reisebürotür auf.
Der Kassierer des Supermarkts meines Vertrauens geht direkt auf meinen Schreibtisch zu.

"Hallo, Frau Meyer, haben Sie gestern Abend eine Zucchini bei uns liegenlassen?"

Der Mann weiß, wo ich arbeite, denn er hat sich schon einmal nach einer Reise erkundigt. Eine Bahnfahrt an die Ostsee sollte es damals sein. Zu einem Ort, an dem es die besten Fischbrötchen der Welt gibt. Morgens hin, abends zurück, nur um ein, zwei Fischbrötchen zu essen.

Der Mann weiß auch, wie ich heiße. 
Er heißt nämlich genauso. 
Natürlich nur mit Nachnamen.
Auch mit ey. Wie es sich gehört.

Wenn ich mittags oder abends meine Waren auf sein Band lege, begrüßt er mich immer mit "Hallo, Frau Meyer!" Ich antworte dann "Hallo, Herr Meyer!" und bemerke, dass diese Begrüßung zu Verwirrungen der Supermarktkollegen und Kunden, die hinter mir anstehen, führt. Ich frage mich oft, ob die sich wohl fragen, woher wir uns kennen. Ob die glauben, dass wir verwandt sind oder verbandelt und uns necken, indem wir uns siezen. Letzteres wäre mir unangenehm. Ich meine, hallo, für ein Fischbrötchen an einem Tag von Düsseldorf an die Ostsee und zurück!

Und eigentlich heißt es ja Zucchino. Einzahl.
"Hallo Frau Meyer, haben Sie gestern Abend einen Zucchino bei uns liegenlassen?"
Das sagt aber kaum einer. Genauso wie die meisten zwei Cappuccino bestellen oder besser noch: Zwei Cappuccinos.
"Ich bin gestern Abend mit der Zucchini noch hinter Ihnen hergelaufen, aber ich habe Sie nirgends sehen können."

Für meinen Stechschritt bin ich schon häufiger gerügt worden. "Du hast einen Schritt drauf, da kommt man gar nicht hinterher." Ich empfinde Trödeln oft als Zeitvergeudung, dabei täte mir etwas mehr Müßiggang sicher gut. So mental.


Der Supermarktkassierer schlägt vor, dass ich in der Mittagszeit zu ihm an die Kasse komme und mir eine Zucchini abhole. Das finde ich extranett von meinem Namensvetter.

Als ich Herrn Meyer an der Kasse frage, ob er meine Zucchini (ich sag nicht Zucchino, sonst fühlt er sich eventuell veräppelt) irgendwo deponiert hat, meint er: "Ach, nehmen Sie sich einfach eine neue."

Vor der Zucchinikiste bleibe ich ratlos stehen.
Dieses Gemüse ist doppelt so groß wie das, was ich gestern liegengelassen habe. Als hätte über Nacht eine Genmanipulation stattgefunden.

Zutschini - selbst geknipst von Frau Meyer

Ich suche den kleinsten Zucchino der riesigen Zucchini heraus und verlasse den Supermarkt. Nicht ohne schlechtes Gewissen.

"Schönen Tag noch, Frau Meyer!" ruft Herr Meyer hinter mir her. Ich winke zum Abschied mit meiner Zucchini, pardon, mit meinem Zucchino.

Zucchino, Zucchini - ist doch egal.

Ich freue mich, dass es in großstädtischen Supermärkten einen Kassierer gibt, der weiß, wie die Frau heißt, die die Zucchini vergessen hat, und wo sie arbeitet.

Ich freue mich, dass Düsseldorf ein Dorf ist.










4. November 2017

Odenwald


Meine Freundin J., ihr Mann J. und ihr Sohn J. nutzen das lange Luther-sei-Dank-Wochenende für einen Kurzurlaub mit dem Wohnmobil.

„Wo geht es denn hin?“ frage ich.
„Ach“, sagt Freundin J., „wir fahren in den Odenwald.“ Und zwar sagt sie das mit einem abwinkenden Tonfall, so als sei eine Fahrt in den Odenwald ein bisschen peinlich.
„Wieso? Ist doch bestimmt schön.“
„Ja, Odenwald halt.“

Ich kann dazu nicht viel sagen, ich kenne den Odenwald nicht. Nur vom Hörensagen, und eigentlich nur aus dem Blauen Bock.

Man hat ja so seine Assoziationen zu Regionen.

Immer, wenn ich Harz höre, denke ich Brocken.

Wenn jemand den Spessart erwähnt, denke ich Wirtshaus.
Die Pfalz erinnert mich an guten Weißwein.
Bei Schwarzwald denke ich an einen Spaziergang um den düsteren Mummelsee mit meinem ersten Freund.

Bei Westerwald an ein Eukalyptusbonbon.
Bei Franken an Lothar Matthäus.

Und bei Odenwald denke ich eben an Zum Blauen Bock.

In der, besonders in den 60er und 70er Jahren äußerst beliebten TV-Sendung besang Moderator Heinz Schenk Playback im Vorspann die Gastgeberstadtstadt der Unterhaltungsshow. Es gab quasi ein Regionsvideo von Herrn Schenk, gedreht an verschiedenen Schauplätzen rund um Sulzbach, Neckarsteinach oder Bad König im besagten Odenwald. In vielen der - nach eigenem Bekunden – über eintausendsiebenhundert selbstkomponierten Lieder war man entweder zu Gast, wurde willkommen geheißen oder gab sich ein Stelldichein. Meist trug der Komponist und Moderator Schenk verschiedene historische Kostüme und Kopfbedeckungen und/oder Pagenkopfperücken und textete Wissenswertes über die Umgebung zu einer ewig gleichen Marsch-Melodie. Da durfte sich im Falle des Odenwald-Songs auch schon mal König auf König reimen.

In der TV-Schankwirtschaft Zum Blauen Bock waren neben Heinz Schenk die Frau Widdin (Wirtin) alias Lia Wöhr und der Oberkellner Herr Nonsens Gastgeber und Scherze-Sparringspartner. Musikalische Sketche mit Prominenten wie Ruth-Maria Kubitschek und Günther Schramm sowie Auftritte von Operetten- und Opernstars sorgten für hohe Einschaltquoten. In der nachgestellten Äppelwoi-Kneipe bekamen die TV-Zuschauer nicht nur ordentlich was auf die Ohren, die teilnehmenden Gäste bekamen auch einen Bembel geschenkt. Als Dankeschön und zur Erinnerung.

Jetzt fragen sich Menschen, die nach 1975 geboren sind, nicht ganz zu Unrecht: Wie konnte man sich als Kind für ein solches TV-Format begeistern, in dem Erwachsene zu "Im weißen Rössl am Wolfgangsee" schunkelten?

Nun, um ehrlich zu sein: Ich war gar nicht begeistert, ich empfand die Live-Sendung vom Hessischen Rundfunk sogar als ziemlich langweilig. Es gab Sänger und Sängerinnen, die waren gefühlt jedes Mal im Blauen Bock zu Gast. Willy Schneider, Anneliese Rothenberger, Erika Köth und Rudolf Prack schienen in der Pappkulisse des Blauen Bock zu wohnen und hatten in ihren Partykellern bestimmt keinen Platz mehr für Bembel. 


Operetten waren schon damals nicht meine bevorzugte Musikrichtung, aber wir zogen uns die "Christel von der Post" und stimmungsvolle Trinklieder über den Rhein rein. Es gab einen Mangel an Alternativen.

Wir hatten ja tv-technisch nüscht, nur drei Programme, alle öffentlich-rechtlich. Mit Ansagerinnen, aber ohne doofe Werbeunterbrechungen. Klementine, Frau Sommer und Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer warben vor oder nach der jeweiligen Sendung.


Heute musst du einen Festplattenrecorder haben, damit du ja nichts verpasst, während du auf vierzig Sendern rumzappst oder eine DVD guckst. Damals hieß das Prinzip: Hauptsache, die Glotze flimmert. 
Egal, ob der Internationale Frühschoppen (Journalisten weltbekannter Zeitungen qualmten sich gegenseitig voll und tranken Wein aus dem Römer, während sie das Weltgeschehen diskutierten), Der große Preis, Die Sendung mit der Maus oder Erkennen Sie die Melodie? (ein Opern- und Operetten-Quiz mit Ernst Stankowski) ausgestrahlt wurden: Wirklich dümmer wurden wir nicht durch das Fernsehen.

Ich war zum Beispiel noch nie im Odenwald, weiß aber, dass Michelstadt und Bad König im Odenwald liegen, nur weil Herr Schenk diese Orte in einer Blauer Bock-Ausstrahlung Playback besungen hat.

Vielleicht sollte ich doch einmal dorthin fahren.
J.s Mann J. hat mir per Whatsapp ein Foto geschickt.



Sieht doch ganz hübsch aus.

9. Oktober 2017

Nicht ohne meinen Helm


„So. Jetzt brauche ich noch deine Größe und dein Gewicht.“
Das geht ja gut los.

Jetzt soll ich auch noch vor allen Kursteilnehmern, vorwiegend männlichen, mein Gewicht nennen. Und lügen kann ich ja nicht, sonst ordnet mir Reinhold den falschen Gleitschirm zu. 

„Mein Gewicht? Das hat mir keiner gesagt. Ich gehe!“

Witzchen machen, kurz vor halb 9 in Deutschland, lenkt leider nicht vom Thema ab. „Ich bin 1 Meter 75 groß und (Pause) wiege (Pause) *husträusperhust* Kilo.“

Der Mann, der mein Gewicht überhustet, ist mein Freund. Der hat mir das alles eingebrockt.

Einen Paragliding-Schnupperkurs in Willingen. Weil ich doch die Gleitschirmflieger in unserem Sommerurlaub in Oberstdorf so toll fand. Nicht mitfliegen, sondern es selber versuchen. Vermutlich ließ mich der Gedanke, meinem Partner meinen Heimatort zeigen zu können, die Aussicht auf ein Wiedersehen mit der lieben Verwandtschaft und Waffeln von Tante Hedwig JA zu diesem Projekt sagen.

Und jetzt sitze ich hier mit circa zwölf Teilnehmern in den Räumen der Gleitschirm-Flugschule Sauerland und bekomme in einer kurzen theoretischen Einführung etwas über Wetter und Sicherheit erzählt und sehe mich einen Haftungsausschluss unterschreiben, in welchem ich verspreche, den Anweisungen des Fluglehrers Folge zu leisten. Was Sinn macht, wie sich später herausstellen soll.

Ich bekomme einen Gurt, einen Schirm und einen Helm zugeteilt. Schon wieder einen Helm.

Wenn mir heute vor einem Jahr jemand erzählt hätte, dass ich an Events teilnehmen werde, die das Tragen eines Helm erfordern, hätte ich diesem Jemand einen Vogel gezeigt. 

Erst Anfang September hatte ich anlässlich des Geburtstages meines Freundes einen Helm tragen müssen, denn ich hatte ihm Ultra Rafting auf der Erft bei Neuss mit querfeldeins geschenkt. Eine kleine Revanche für den bereits gebuchten Gleitschirm-Schnupperkurs.

Action konnte ich auch. Ha!


Unternehmungslustig, so kann der Herrn an meiner Seite wohl beschrieben werden. 

Wir kannten uns kaum näher, da schlug er einen gemeinsamen Tanzkurs vor. Kein Tango oder Salsa, einfach einen Tanzkurs mit Discofox und Walzer. Fünfundneunzig Prozent aller Frauen wären wohl direkt in Jubel ausgebrochen über einen Mann, der freiwillig und ohne Androhung von Waffengewalt seine rudimentären Tanzkenntnisse auffrischen will.

Ich geriet in Panik.

Wer weiß zu Beginn einer Beziehung schon, wie lang diese halten wird. So ein Tanzkurs dauert schließlich mehrere Wochen oder Monate.Und überhaupt!

Also sagte ich NEIN zum Tanzkurs.
Rück-zwei-cha-cha-cha.
Ohne mich.

Monate später kam ich zu dem Schluss: Der neue Mann und ich funktionieren gut miteinander, auch was die Aktivitäten, wie (festhalten!) Fitness und Wandern anging. Der Wanderurlaub im Allgäu war wunderbar, wenn auch teilweise eine Herausforderung, bei der das Tragen eines Helms ratsam gewesen wäre.

 
Wir genossen einen Abend bei Sonnenuntergang an der Nebelhornstation Höfatsblick, schauten auf die zahlreichen bunten Gleitschirme am Himmel und ich sprach nach einigen Schlucken Weißbier die schicksalshaften Worte „Das möchte ich auch mal machen“.

Letztes Wochenende machen wir. 

Nicht aus 1.800 Metern Höhe, sondern von hochsauerländischen Hügeln, die von unten machbar und von oben steiler als gedacht wirken. Der Morgennebel steigt auf und Fluglehrer Reinhold erklärt uns, das wir an der Farbe der Felder erkennen können, wie die Temperaturen steigen und mehr Sonnenlicht im Laufe des Vormittags bedeutet – richtig – Thermik.

Das Konzept des Unterrichts, learning by doing und zwischendurch ein wenig nützliche Theorie, gefällt mir. Genauso wie das Starten und Fliegen, das ich – ohne überheblich erscheinen zu wollen – richtig gut hinbekomme. Ich folge den Anweisungen meines Fluglehrers. „Hände höher, links tiefer, rechts auch, so bleiben, schööööön, genieß den Flug."

Mach ich. Bis es auf die Landung zugeht. Die Ansage durch das Funkgerät lautet: „Tiiiiiiiiiiiiief“. Den Vokal zieht er sehr lang. Und bei mir besonders lang. Weil: Mein Kopf hört, was Reinhold will, aber mein Herz ist ´ne Bangbüx.

Anstatt die Beine lang zu lassen und in der Luft schon einmal eine Laufbewegung vor der Landung zu machen, ziehe ich reflexartig die Knie hoch und somit geht mir – wortwörtlich – der Arsch auf Grund(eis). Dass ich in drei, vier Metern Höhe meine Bremse ziehen soll, macht mir Angst. Was, wenn ich wie ein Stein auf den Boden sause? „Kann nicht“, erklärt mir Reinholds Kollege Dirk, „der Schirm bremst dich doch.“ 

Reinhold, der Schirm und ich
 
Um mit Goethe zu sprechen: Die Botschaft hör´ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Rennen, Schirm hochziehen, abheben, Beine hängen lassen, schweben, Aussicht genießen, alles super, bis die Message kommt: „Dirk übernimmt die Landung.“ Die Anweisungen werden lauter und rüder. Puderzucker und Streicheleinheiten gibt es nicht, aber wer nicht hören will…schließlich geht es um meine Sicherheit.

Das Gleitschirm-Wochenende ist ein besonderes Erlebnis, schweißtreibend und großartig. Mein Freund fantasiert den Kompaktkurs und A-Schein herbei und überlegt, wo er den Schirm demnächst verstaut. 

Das geht mir zu weit! 
Ich hab geschnuppert, das war toll, doch zum aktuellen Zeitraum reicht es mir erst einmal an Action.

Stattdessen überlege ich, ob ich meinen Liebsten zu einer etwas gediegeneren Tätigkeit überreden kann.

Einem Tanzkurs zum Beispiel.

Discofox, Walzer, Rück-zwei-cha-cha-cha.

Das wär´s doch. :-)





Die empfehlenswerte Action buchen könnt ihr hier und hier










15. September 2017

Eva, Alexander und ich


Die Wohnung hätte Eva wirklich mal aufgeräumen können.
Kleidung, Kissen und Decken sind kreuz und quer in der Wohnung verteilt.
Auf Schreibtisch und im Regal, das als Raumteiler dient, liegen ungeordnete Papierstapel.
Weinreste gehen in Gläsern zur Neige.
Zum Glück raucht Eva nicht.

Ansonsten ist die Wohnung meiner Freundin, in der ich übernachten durfte, sehr zeitgemäß.  Durcheinander gewürfeltes Mobiliar. Skandinavische Glasvasen. Shabby chic. Eine Fototapete mit einem herbstlich verfärbten Laubwald. Davor steht mein Gästebett. Durch das Regal kann ich auf das durchwühlte Doppelbett schauen.

Eva Habermann kommt mit einem Becher dampfenden Kaffees aus der Küche.
Ja, ich bin mit Eva Habermann befreundet, der blonden Schauspielerin, die Sie bestimmt aus vielen Rosamunde Pilcher-Verfilmungen kennen. Wenn Sie die gucken. Ein bisschen wundere ich mich selber darüber, während ich mich in meinem Bett langsam aufrichte und recke.

"Wann willst du Alexander sagen, dass du ihn nicht heiratest und schon gar kein Kind willst?" frage ich meine Freundin mit dem zerzausten Haar und hellblauen Herrenpyjama.
"Ich muss es ihm sagen, sehr bald. Er wird total enttäuscht sein."

Wenn man vom Teufel spricht...im Bad geht die Klospülung. Es erscheint Richter Alexander Hold. Den kennen Sie sicher auch aus diesen Gerichtssendungen und vielleicht haben Sie auch seine Wahlwerbung für die Freien Wähler gesehen. Richter Alexander Hold ist der Freund von Eva Habermann. Seinen seidenen, mit asiatischen Motiven bedruckten Morgenmantel trägt er leger um seinen erstaunlich trainierten Körper. Oberhalb seines Sixpacks kann ich Reste des Schriftzugs Danke erkennen, die Glitzersteinchen des Klebetattoos sind ziemlich abgeblättert. Ich muss lachen, natürlich in mich rein, und bin gleichzeitig sauer auf Eva. Warum klebt sie ihm das Tattoo auf, wenn sie eigentlich Schluss machen will?

Mein Blick schweift erneut auf die Weingläser.
In einem rudert eine Fliege.

Dann piept es. Und piept. Sehr nervig und lange.
So lange, bis ich auf den Wecker haue.
Schnaufend sinke ich in mein Kissen.

Diese Träume in den frühen Morgenstunden machen mich fertig.
Doofe REM-Phase.

Echt jetzt.

Foto gofeminin/Pinterest





 


30. August 2017

i-Dötzchen


Heute Morgen in der U-Bahn: Kleine Menschen, große Aufregung, bunte Schultüten mit Einhörnern und Dinos, stolze Eltern.
Das Mädchen mit dem schief gezogenen Scheitel und dem Blümchenkleid plappert aufgeregt, der Junge im hellblauen Hemd ist komplett verstummt und beißt die Lippen aufeinander.

Bild: Pinterest

Es ist der erste Schultag für die meisten I-Dötzchen in Nordrhein-Westfalen.
Zu meiner Zeit und in meiner Hochsauerländischen Heimat hieß das i-Männchen. Mit
"i-Männchen, Kaffeekännchen" veralberten uns die Zweitklässler, stolz ob ihrer Reife und Schulerfahrung, immerhin waren sie uns ein Jahr voraus. Ein Junge ärgerte uns besonders, ich konnte bis zum Abitur keine Sympathie für ihn entwickeln.

Nennen Sie mich nachtragend.

Besonders schlimm waren die Kopfbedeckungen, die wir zur Einschulung 1975 erhielten. Bommelmützen (es war Sommer) oder Kopftücher sollten wir auf unserem Schulweg tragen, damit uns die Autofahrer auch von Weitem erkennen konnten. Eine einzige Demütigung. Egal, für was wir uns entschieden, es sah behämmert aus. 
Die Mützen kratzten und die Kopftücher rutschten.

Auf ebay gibt es sie noch

Die Mädchen, die brav die Kopftücher trugen, hatten später eine 1 in Handarbeit.
Ich hatte mich für die Mütze entschieden und in Handarbeit eine 3, und dies auch nur, weil die Handarbeitslehrerin schon meinen Vater unterrichtet hatte und diesen wohl sehr mochte. Hochsauerländischer Klüngel. Die Mütze trug ich nur ein- bis zweimal, dann verschwand sie in die Untiefen meines Kleiderschranks.

Irgendwie habe ich mich größer in Erinnerung als die i-Dötzchen heute. Die sehen mit ihren großen Schulranzen so winzig aus. Warum heißt es überhaupt i-Dötzchen? Wikipedia schreibt, dass das i der Buchstabe gewesen sei, den die Schulanfänger als Erstes gelernt haben. Ist das heute auch noch so? Dotz heißt Punkt. i-Dotz entsprechend i-Punkt. Also begann für lauter kleine i-Punkte heute der Ernst des Lebens.

Ich wünsche allen Erstklässlern, dass sie ohne Angst in die Schule gehen, dass sie Lehrer und Lehrerinnen haben, die Kinder mögen. Dass sie Spaß haben und nicht verzweifeln, wenn sie mal keine 1 oder 2 schreiben.

Ich hatte in Handarbeit eine 3 und guckt mal, was aus mir geworden ist. :-)

11. August 2017

Fragen (KW 32)


Warum macht gesundes Essen so viel Dreck?
Quinoa, Vollwertreis, rote Linsen, ayurvedischer Brei setzen sich in den kleinsten Ritzen meiner Küche fest. Bei Weizenbrot mit Gouda passiert das nicht.

Wieso stöhnen viele Männer im Fitness-Studio so laut, als zögen sie allein eine Lokomotive hinter sich her, und lassen nach vier Wiederholungen ihrer Übung die Gewichte aufeinanderknallen wie bei einem Meteoriteneinschlag?
Tipp: Einfach weniger Kilos stemmen.

Glaubt ein hübsches gepierctes junges Mädchen wirklich, dass ich Mitglied bei Amnesty werde, wenn es sich mir nach meinem Feierabend wild wedelnd in den Weg wirft und Huhu ruft?
Ich habe früher an der Wohnungstür auch keine Zeitungs-Abos von Drückern gekauft.

Warum rezensiert ein Mensch konsequent negativ meine Veröffentlichungen, obwohl er schon beim Lesen meines eBooks Neues von Frau Meyer feststellte, dass er meine Schreibe als humor- und pointenlos empfindet.
Ich mag zum Beispiel keine Innereien. Bestelle ich mir Nieren, Leber oder Hirn und sage anschließend "Iiih, mag ich nicht"? Nö.

Wer ist Ennesto Monte? Und müsste es nicht Ernesto heißen?
Im RTL Sommerhaus der Stars sitzen Menschen, von denen ich noch nie gehört habe. Muss wohl an meinem Alter liegen.
Und natürlich habe ich dort nur versehentlich reingezappt.

Apropos Sommer: Ist der Sommer beleidigt, weil wir vor Wochen unter der Hitze gestöhnt haben und wird deshalb kurzum zum Herbst?
Hey, Sommer, ich weiß, du kannst es nicht jedem Recht machen, aber ich denke, bei 26°C und leichtem Wind erreichst du eine ziemlich große Fangemeinde.

Sonntag soll die Sonne scheinen.
In diesem Sinn: Ein schönes Wochenende.

😎






4. August 2017

Erst hatten sie kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu

M. ist nicht nur eine sehr, sehr gute und treue Freundin von mir, sie ist auch eine super Patentante.

Sie verbringt oft Zeit mit ihrem jungendlichen Neffen.
Ninja Warrior gucken, Billiard oder LaserTag spielen, anschließend Burger essen, das machen die Tante und Neffe gern zusammen. Und Sportevents gucken oder sogar besuchen, das mögen beide ganz besonders.

Der Junge ist FC Bayern-Fan, aber ansonsten völlig in Ordnung. ;-)

Morgen ist Supercup.

Da spielen die Rot-Weißen gegen die Schwarz-Gelben von der Borussia im Signal Iduna Park in Dortmund. Supertante M. hatte für dieses Event Ende Juni Tickets geordert und Anfang Juli bezahlt. Dann gingen die Tickets auf den Postweg.
Dieser Postweg stellte sich als Holzweg heraus, denn die Tickets sind nicht in M.s Briefkasten gelandet. Bis heute nicht. Und morgen findet um 20 Uhr 30 der Supercup statt.

Vom Ticketanbieter erhielt meine Freundin M. eine Email, die ihr auch den letzten Restfunken Hoffnung nahm, morgen mit ihrem sportbegeisterten Patenkind im Stadion zu sitzen.

Sehr geehrte(r) Frau ...,

wir wissen, dass Sie Ihre Tickets für das Spiel noch nicht erhalten haben.
Leider ist eine Sendung mit mehreren Tickets bei DHL verloren gegangen.
Wir sind natürlich in Kontakt mit DHL, aber die Sendung ist nicht mehr auffindbar.
Auch der BVB kann oder will leider nicht helfen. Kurz gesagt: Uns sind leider die Hände gebunden.
Wir können uns nur entschuldigen!

Teilen Sie uns bitte Ihre Kontoverbindung mit und wir erstatten den Betrag sofort und stornieren den Auftrag.

Sollten die Tickets wider Erwarten noch auftauchen werden wir Sie natürlich informieren, aber zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir leider nicht davon aus.


Mit freundlichen blablabla

Ich lese das an mich weitergeleitete Schreiben vom Ticketanbieter und gerate sofort in einen Zustand regelrechter Co-Wut. Die Sportfans haben sich wahnsinnig auf den morgigen Tag gefreut, und da ist es auch kein Trost, wenn das Geld erstattet wird.
Wäre ja auch noch schöner, wenn nicht.

Irgendwie fühlt sich wieder keiner so recht verantwortlich, so scheint es.

Die Frage ist: Wo sind die Tickets?
Hat sich die jemand aus der Post gefischt und freut sich?
War eine Aushilfe mit dem Liefern der Post überfordert und hat die Umschläge bei sich im Keller gebunkert?
Manchmal liest man so etwas...
Sind die Tickets überhaupt verschickt worden?

Alles Spekulation.

Fakt ist:
Supercup ohne Supertante und Superneffen = SUPERGAU

Ich denke, Freundin M. und ihr Neffe gucken das Spiel mit der ganzen Familie im Zweiten.

Vielleicht grillt Superoma vorher ein paar Würstchen.
Dazu wünsche ich viel Spaß.

Trotz allem.