29. September 2016

Frau Meyer in love

Mein Urlaub ist fast vorbei, und ich bin immer noch allein im Allgäu unterwegs. Meistens geht es mir sehr gut damit. Ich fahre Rad, ich wandere herum, schwimme und hüpfe am Nachmittag in die Sauna. 
 
Auf der Buchenberg-Alm


Forggensee

 
Lech

Abends sitze ich allein am Tisch und außer der Begrüßung meiner Tischnachbarn und der Bestellung meines Essens rede ich nichts.

Ich habe mich daran gewöhnt. Wider Erwarten ist Viggo Mortensen nicht angereist.*  Und selbst wenn, was hätte ich mit dem dänisch-amerikanischen Schauspieler schon abends an der Hotelbar reden sollen? Nicht einen einzigen Herr der Ringe-Film habe ich gesehen und über Pferde weiß ich quasi nichts. Die Konversation würde vermutlich sehr zäh verlaufen.

Frau M.:  Wie geht es den Kindern?
Herr M.:   Alles gut.
Frau M.:  Und wie isset in Hollywood?
Herr M.:   Läuft.
Frau M.:  Und die Malerei?
Herr M.:   Muss.

Kein Viggo, auch kein Tobias oder Heinz.
Kein Küssen in Füssen.  

Es hätte so schön sein können.

Nach dem Abendessen gehe ich meistens eine kleine Runde und dann ziemlich früh in mein Zimmer, um zu lesen oder ein paar Whatsapp auszutauschen, manchmal auch mit dem ZBEF, dem ziemlich besten Ex-Freund. Der schickt mir ein Foto von einer Ouzo-Party an einem nord- griechischen Strand. Ich schreibe ihm zurück: 
An diesem Strand könnte ich jetzt auch sitzen, wenn es mit uns besser gefluppt hätte. 
Sieht schön aus, euch noch viel Spaß. 
Hänge ein Bild von den Semmelknödeln mit Steinpilzen an, die ich gegessen habe.

Verliebt habe ich mich trotzdem.
Und das kam so:

Nach einer Radtour durch Bad Faulenbach (der perfekte  Name für einen Urlaubsort, nicht wahr?) und ein Waldstück erblicke ich ihn und bin sofort hin und weg. 

Meine neue Liebe ist ein See. 

Inmitten all der Allgäuer Seen, die ich während meiner Touren rund um Füssen entdeckt habe, ist er der schönste: Der Alatsee.

Facettenreicher und tiefgründiger als so mancher Mann :-).






Mit Spaßfaktor



Der kurze Schockmoment des Eintauchens dauert gar nicht lang. Dann überwiegt die Freude über das weiche Wasser. Ich möchte Jauchzen und mache das auch. Lege mich auf den Rücken und lasse mich treiben, bis mir wieder kalt wird. Schwimme zu den Seerosen, schaue in die Berge. Wundervoll. 

Dieser Tag am See wird mir lange in Erinnerung bleiben. 
Der ganze Urlaub wird mir lange in Erinnerung bleiben. Mein Allein-im-Allgäu-Erfahrungstrip hat mir gut getan. 

Morgen fliege ich mit meiner Freundin Martina nach Kopenhagen und komme sicher mit ein paar Tipps für euch zurück.  Herrn Mortensen hätte ich um Empfehlungen bitten können. Wenn er seinen Urlaub in Füssen verbracht hätte.
Laut Wikipedia hat mal in der dänischen Hauptstadt gelebt.
;-)


  Charly Hübner und Sebastian Koch übrigens auch nicht.


Und hier geht es zu den anderen Teilen meiner Allgäu-Reise:

1. Teil    Allein ins Allgäu
2. Teil    Allein (fast allein) vom Kloster in die Weinstube
3. Teil    Verfahrene Situation



Fotos ©  Britta Meyer






22. September 2016

Verfahrene Situation


"Guten Morgen". 

Am fünften Tag meines Allgäu-Urlaubs werde ich von einigen Gästen zum Frühstück freundlich begrüßt. Die ersten Tage verspürte ich meine Person betreffend einen leisen Argwohn. Inzwischen hat man wohl bemerkt, dass ich einfach alleine Urlaub mache. Auch der weibliche Teil des Pärchens, das meistens zeitgleich mit mir frühstückt, hat verstanden, dass es nicht mein Plan ist, ihrem Gatten bei nächstbester Gelegenheit das atmungsaktive Hemd vom Leib zu reißen.

Sie scheint der dominante Part der Ehegemeinschaft zu sein, sie beginnt die Tagesplanung mit "Ich habe mir überlegt, wir könnten...", er willigt immer ein. Ich nenne die beiden klammheimlich Martina und Moritz, wie das Köche-Ehepaar aus dem Fernsehen. Martina trägt lustige Ohrringe und gibt Moritz, dem Lustige-Brillen-Träger, gerne Anweisungen. Manchmal kriegt er auch einen drüber ("viel zu wenig Pfeffer, da muss noch mehr Pfeffer rein"). Aber vielleicht wirkt das auf mich auch nur so, sie scheinen sich miteinander wohlzufühlen und kochen können sie auch hervorragend. Das ist es, was zählt.

Zurück ins Hotel:
Ich bin immer noch die einzige Alleinreisende. Was mich nicht stört, vor allem muss ich keine Tagesplanungen abnicken, die bestimme ich selbst und nur für mich. Har. Abends allein zu essen, ist allerdings nicht so angenehm. Hier wird wunderbar gekocht, ich genieße das Essen so sehr und hätte noch mehr Freude, wenn dieses mit etwas Konversation garniert wäre. Mehr als ein paar Smalltalks mit dem Nachbartisch sind nicht drin. Ich bin einmal mehr froh über mein Smartphone und die Broschüren über Rad- und Wanderrouten, in denen ich blättern kann. Das Lesen eines solchen Kartenmaterials zählt definitiv nicht zu meinen Stärken, wie eine Radtour am zweiten Urlaubstag bewies.

Ich war mit meinem Leihfahrrad von Füssen nach Hopfen am See gefahren und hatte mich dort bei einem sehr großen Stück Apfel-Mohn-Sahne-Kuchen mit Damen, die eine Tagestour mit dem Bus unternahmen, unterhalten. Die geschiedenen und verwitweten Frauen  aus Reutlingen priesen meinen Alleineurlaub als geradezu heroische Tat. Physisch und psychisch gestärkt setzte ich meine Tour fort und fuhr in den Hopfener Wald, immer tiefer hinein. Die Ortsnamen auf den Schildern sagten mir gar nichts, ich war ja noch neu in dieser Region. Ich drehte meine Karte in alle Richtungen, versuchte auszumachen, wo ich mich befand. Ohne Erfolg. Instinktiv fuhr ich nach oben, von dort aus musste es ja irgendwie Richtung Forggensee und Füssen gehen. Ich fuhr, bis die Zunge auf den Knien hing, dann schob ich. Hier war kein Mensch weit und breit. Nur ein Hochsitz, Bäume, Farne, Schotterwege, zwitschernde Vögel und ich. Es fing an zu regnen.

Jahrzehntelanger Aktenzeichen XY-Konsum regte meine Fantasie unnötig an, und ich sah mich Wochen später als unappetitlichen Fund eifriger Pilzesammler im Gebüsch liegen. Wahrscheinlich winkte ich deshalb so wild wie eine Schiffbrüchige, als ich einem verwirrten Forstmitarbeiter vor dessen Traktor sprang. "Wo geht´s denn hier zum Forggensee?" Der junge Mann überlegte ziemlich lange und erklärte, dass ich am besten weiter hinauf (och, nö) und dann rechts und wieder rechts fahren müsse.

Irgendwann ging es dann nur noch bergab, vorbei an einer Lichtung mit zauberhaften Rehen, die malmend und verwundert der verschwitzten preußischen Touristin hinterher sahen. Dann erblickte ich das Ortsschild Rieden. Rieden am Forggensee. Der See, mein See. Zivilisation, endlich! Rotgesichtig und sehr erleichtert machte ich eine Pause mit Selfie-Stop am Ufer des Sees.


Tomate Meyer - endlich am See



Es hatte aufgehört zu regnen. Ich fuhr ganz gemütlich am See entlang ins Hotel zurück, duschte schnell und war rechtzeitig zum Aufguss in der Sauna. Abends beim wieder einmal unfassbar guten Essen überlegte ich, zu welchen Erkenntnissen des Tages ich gekommen war. Bitte schön:
1. Bekannte Wege verschaffen einem Sicherheit, können aber langweilig sein.
2. Unbekannte Wege machen vielleicht Angst, führen manchmal ins Nichts, bergen aber auch Überraschungen. Und wenn es nur eine Gruppe zauberhafter Rehe ist.
3. Manche Männer sehen nackt tatsächlich besser aus als angezogen. "Moritz", den ich ohne "Martina" beim Aufguss antraf, gehört dazu.
:-)


Ob Frau Meyer das Wanderkartenlesen noch lernen und sich in ihrem Allgäu-Urlaub vielleicht doch noch verlieben wird? Wir werden sehen.

Und hier geht es zu Teil 1 und Teil 2 meiner Allgäu-Allein-Erfahrung.
Fotos ©  Britta Meyer

22. August 2016

Allein (fast allein) vom Kloster in die Weinstube

Der Innenhof des Klosters St. Mang leert sich.
Das Konzert ist vorbei.

Andreas Kümmert hat Rocket Man als Zugabe nach einem grandiosen neunzigminütigen Auftritt mit seiner Band gespielt, den Song, mit dem er bei The Voice die Jury beeindruckt hat. Ich bin mit mir sehr zufrieden, weil ich an meinem ersten Urlaubstag trotz Müdigkeit den Weg ins abendlich verträumte Füssen eingeschlagen habe. Menschen auf den Straßen, in den Cafés, offene Weinhandlungen, Stimmen, Musik. Jazzfestival, welch glückliche Fügung.


Die Musik ist verklungen. Freundeskreise, angetrunkene Jugendliche, händchenhaltende Pärchen machen sich auf den Nachhauseweg und ich stehe allein in einer der Gassen, die mir noch nicht vertraut sind. Ich bin ja heute erst angereist und tue mir gerade ein bisschen leid. Wenn ich nicht allein und wenn ich mit Freunden oder einem Mann unterwegs wäre, dann würde ich mich noch in eine der wenigen geöffneten Kneipen setzen und die laue Allgäuer Sommernachtsluft genießen. Aber so...mache ich mich auf dem Weg Richtung Taxistand am Bahnhof.

"Entschuldigung, wie spät ischt es?" Ein großer kräftiger Mann steht vor mir. Um einiges jünger als ich. Tapsig.  "Mitternacht", sage ich und versuche, mich zu verdrücken wie Aschenputtel, das dringend noch die Kutsche kriegen muss. Einen Prinzen habe ich beim Konzert im Innenhof des Klosters nicht kennengelernt. Ab und zu lächelte mal einer (mit Prinzessin im Arm) rüber. Ich hatte mich dann auf die Bühne und die wunderbare Musik konzentriert und jetzt brauchte ich ein Taxi.

Der junge Mann, der keine Uhr hat, geht neben mir und erkundigt sich nach einer Kneipe, die ich nicht kenne. "Ich bin neu hier, ich suche ein Taxi zum Hotel."
Fünf Minuten später stehen wir vor einer Weinstube. Der junge Mann hat mich gefragt, ob er mich auf ein Glas Wein einladen darf. "Ja, okay", höre ich mich sagen. Weil der Abend und die beleuchtete Stadt so schön sind.

Da ich keine Bedienung ausmachen kann, frage ich die Gesellschaft, die an den Tischen in der Gasse sitzt, ob es noch etwas zu trinken gibt. Drinnen ist es nämlich ziemlich dunkel. Der Wirt sitzt ebenfalls draußen. Es ist kompliziert mit ihm. Er war heute Abend offenbar selbst sein bester Gast und will die Getränke nicht so recht rausrücken. "Um diese Zeit bedient man sich selbst", sagt ein Herr, der wohl ein Stammgast ist. Ich mag nicht einfach hinter die Theke gehen, das gehört sich doch nicht. Der Stammgast nimmt mich an die Hand und zieht mich hinter sich her ins Innere. Der junge Mann, der mich einladen will, kommt direkt hinterher.

Wir bekommen ein Glas Grauburgunder (hurra) und ein Bier, nehmen an einem Tisch auf der Terrasse Platz und stoßen an.
"I bin der Karl."
"Britta."
"Proscht."
"Danke für den Wein."

Der Junge freut sich und gibt gleich ein bisschen Gas.
"Bischt du allein hier?"
"Ja."
"Lass uns morgen in die Therme in Schwangau gehen."
"Moooment. Wir kennen uns erst fünfzehn Minuten."
"Na und? Es ischt schön do."
"Nein. Ich mache allein Urlaub und will mich erholen und nur machen, was ich will."

Karl scheint ein wenig enttäuscht, er wirkt wie ein schmollendes Riesenbaby. Jetzt hat er in einen Wein investiert und die Eingeladene stellt sich stur. Wir unterhalten uns, ich erzähle ihm, dass ich hier Urlaub mache und aus Düsseldorf komme. Das findet er super, Düsseldorf findet er ganz toll, er war schon mal da.

Am Nachbartisch sitzen drei ältere Herren,  Sie stammen aus der Schweiz, Sie hören Düsseldorf und einer singt "Ach, wärst du doch in Düsseldorf geblieben."

Ich fühle mich gerade ganz wohl in der Füssener Sommernacht.

Wir reden über Zürich und Düsseldorf und der eine sagt:
"Du siehst aus wie die..also, wie die...ja, wie heißt die denn noch mal? Wie die..."
Naaaaaa?
"Jetzt hab ich´s. Du siehst aus wie die Hannelore Kraft."
Ich nehme einen ordentlichen Hub aus meinem Weinglas.

Die Ähnlichkeit mit der von mir durchaus geschätzten NRW-Ministerpräsidentin hat mir eine Bekannte schon einmal bescheinigt. 

Irgendwann hat mir ein Mann gesagt, dass ich aussähe wie Kim Basinger. Irgendwann vor dreißig Jahren.
Da war ich jung, trug gern einen Trenchcoat (mit normaler Kleidung darunter) und mochte meinen Wackelpudding ohne verbundene Augen. Der Mann damals war zugegebenermaßen ein bisschen angedüdelt und wurde später mein Freund.

Was ist zwischen Kim Basinger und Hannelore Kraft passiert? Ach ja, das Altwerden. 

Karl möchte noch einmal darauf hinweisen, wie erholsam ein Besuch der Schwangauer Kristall-Therme ist. 
"Seid ihr zusammen?" fragt der Nachbartisch.
"NEIN!!! Wir kennen uns erst dreißig Minuten!!!" Das sage ich sehr nachdrücklich und laut. Als ich in Karls Gesicht sehe, tut er mir ein bisschen leid. Sooo viele Frauen hat er noch nicht kennengelernt, vermute ich.
"Jetzt hör mal, ich bin zur Zeit einfach platt, ich finde es total nett, dass du mich auf einen Wein eingeladen hast, aber mehr läuft da nicht. Im übrigen könnte ich vom Alter her fast deine Mutter sein."
"I bin sechsendreißick!" 
Hatte ihn auf achtundzwanzig geschätzt.
"Und du bischt doch högschtens fuffzick."
Möööööp. Therme ist jetzt endgültig gestrichen.
"Nicht ganz."
"Neunenvierzick." 
"Nein."
"Achtenvierzick."
Clever, der Karl. Er zählt einfach runter.
"Siebenundvierzig", seufze ich.

Er probiert es weiter.

"Du könntescht mich morgen auf meiner Alm besuchen."
"Karl..."
"Warum denn nicht?"
So langsam kommt mir der Verdacht, ich werde heimlich gefilmt.
Bauer sucht Frau meets Versteckte Kamera.

 "Ich glaube, ich fahre nehme jetzt am besten ins Hotel. Ich bin heute morgen um halb fünf aufgestanden."
"Okay, ich fahre dich."
"Nein."
"Warum denn nicht, du könntest dir das Taxigeld sparen."
"Ich kenne dich überhaupt nicht. Vielleicht wurdest du schon bei Aktenzeichen XY zur Fahndung ausgerufen."
"Bestimmt nicht."
"Das würde ein echter Straftäter auch nicht zugeben." 
Herrje, was rede ich hier eigentlich?

Wir verlassen die Weinstube und verabschieden uns freundlich von den netten Gästen.
Gehen wortlos durch das fast ausgestorbene nächtliche Füssen. Kein Taxi in Sicht, ich rufe mir eines. Vom Karl kriege ich zum Abschied einen schüchternen Handkuss. Kurze Zeit später fährt er mit seinem Auto an mir vorbei und hupt zweimal freundlich.

"Wann bist du eigentlich so eine garstige Zicke geworden, Frau Meyer? (Wenn ich einen distanzierten Blick auf mich brauche, sage ich wie ein Kind zu seiner Grundschullehrerin Frau Meyer und du) Vielleicht wollte der Junge wirklich nur mit dir schwimmen gehen? Der kann doch auch nichts dafür, dass er nicht Viggo Mortensen oder Charly Hübner ist. Frau Meyer, demnächst bist du aber freundlicher zu deinen männlichen Mitmenschen."

Das Taxi kommt und bringt mich zum Hotel am See.
Hotelzimmer aufschließen, Zähneputzen, Bett.
Es ist zwanzig nach eins.
Hannelore Kraft muss jetzt schlafen.

Und ab morgen, ab morgen wird sich richtig erholt.


P.S. Karl heißt natürlich nicht Karl. Er hat einen Apostelnamen, wie es sich für einen ordentlichen bayerischen Mann gehört. :-)



Fotos ©  Britta Meyer


Und hier geht es zum ersten Teil meiner Allgäu-Reise.


 
 




17. August 2016

Allein ins Allgäu


"Are you going to the castle?"

Zwei Amerikanerinnen um die dreißig, mit Shorts bekleidet und großen Rucksäcken auf den Rücken, erkennen am Bahnhof Lengenwang die Touristin in mir. Ich selber schleppe zwei Rucksäcke, den großen Koffer habe ich zum Glück in die Obhut der Firma Hermes gegeben.

Die beiden Damen sehen mich erwartungsvoll an. Sie sind die nicht die einzigen die zum castle, also dem Schloss aller Schlösser, nach Neuschwanstein fahren möchten. Der Bus, der von Lengenwang nach Füssen fahren wird,  ist zu achtzig Prozent mit Asiaten gefüllt. Die Frage nach dem richtigen Verkehrsmittel zum castle erübrigt sich eigentlich. 
Normalerweise fährt von Augsburg nach Füssen ein durchgehender Zug. Heute nicht. Heute müssen alle Allgäu- und Schloss-Fans in Lengenwang aus- und in den Schienenersatzverkehr einsteigen.

Ich will nicht reden, ich will in die Wiesen, auf die Kühe und die Berge gucken, stecke mir meine Kopfhörer in die Ohren und wähle auf dem IPod, den mir meine Freundin für meinen Urlaub geliehen hat, ein Musikstück aus der abenteuerlichen Playlist aus.


Frida Gold - Verständlich sein.
"Ich hätt gern Sex zu dritt, das weißt du", singt Alina Süggeler
Der Bus fährt gerade an einer besonders grünen Wiese vorbei und ich denke, dass Sex zu zweit auch schon mal gar nicht so schlecht wäre. Es eilt aber nicht,  noch bin ich recht optimistisch, dass da irgendwann irgendwer kommt. Nicht nur für untenrum.  :-)

Gesehen bei VINTAGE, Nordstr. Düsseldorf

Die geneigte Leserschaft wird aktuell nur keine Geschichten mehr von mir geschrieben bekommen, in denen ich mich über einen unfähigen Fotografen an meiner Seite beschwere oder romantische Mettwurst verschenke.
Aus DMDMAHL, dem Mann, der mir am Herzen liegt, ist ein ZBEF, ziemlich bester Ex-Freund, geworden.

Ich war in den vergangenen Jahren einige Male allein auf Reisen, aber eben nicht als Single. Und dass ich genauso gut in einen Club mit hoher Kopulations- wahrscheinlichkeit hätte reisen können, anstatt in ein Wellnesshotel in Füssen, weiß ich auch. Mir war durchaus bewusst, dass es in den Sommerferien nicht allzu viele Alleinreisende in ein solches Hotel verschlägt.

Ich hatte Recht. Ich bin die einzige.
Was meiner Urlaubsfreude keinen Abbruch tut. Ich kann mich nämlich voll und ganz auf meine Bedürfnisse konzentrieren und machen was ich will. Wandern, radeln, schwimmen, im Ruheraum des wunderbaren Saunabereichs in Zeitschriften blättern.  All das.
Nur beim Abendessen, dem hervorragenden Menü, kann ich nicht viel mehr tun, außer eben essen und ein wenig auf dem Smartphone rumtippen und über lustige Whatsapps  schmunzeln (was meine Miturlauber hoffentlich als Freude über Liebesnachrichten meines nicht existierenden Lebensgefährten interpretieren, sie scheinen zu überlegen, was die Frau hier alleine will). Meinen Gedanken, dass es Schauspieler Viggo Mortensen, weil er die Nase voll hat vom Job, seiner Frau, seinen Kindern und den ganzen Pferden, zur Erholung ausgerechnet ins Allgäu und in mein Hotel verschlägt, verwerfe ich wieder. Er sitzt weder im Wintergarten noch auf der Außenterrasse.

Stattdessen überlege ich, in meinem Blog eine Single-Rubrik einzurichten.

Allein, allein.
Halbes Brot, geschnitten.
Singlelingeling.
Einzelzimmer, so what?

Statt eines Absackers an der Hotelbar stürze ich mich ins Füssener Nachtleben.
Es ist nämlich Jazzfestival, ausgerechnet heute, wo ich angereist bin.


Werde ich am lauen Sommerabend im Innenhof des Klosters St. Mang eine Flirtgelegenheit finden?

Fortsetzung folgt...






16. Juni 2016

Fast vergessen


Manchmal bin ich ehrlich ein bissken verpeilt.

Es gibt seit dem 15. März ein eBook von mir.
Facebook weiß es, amazon weiß es, diverse Literaturblogs wissen es.
Das Naheliegendste, nämlich in meinem Blog darüber zu schreiben, ist mir völlig durchgegangen.

Besonders nachlässig ist das, weil es sich bei dem eBook um ein Best of meiner Bloggeschichten handelt, Würde es da nicht Sinn machen, auch in meinem Blog davon zu berichten? Ich sag ja: Verpeilt.
 
Es fing damit an, dass eine Freundin, Ursula Kollritsch, die gemeinsam mit ihrer Freundin Stephanie Jana einen sehr unterhaltsamen Email-Roman geschrieben hat (Das Jahr des Rehs), ihrer Literaturagentin Gabi Strobel meine Texte ans Herz gelegt hat. Und jene Literaturagentin mich unter ihre Fittiche genommen und meine Blogtexte Marc Hiller, dem Geschäftsführer vom Verlag dp digital publishers empfohlen hat. Kommen Sie noch mit? Netzwerken ist alles.

dp digital publishers empfand die Texte als veröffentlichenswert, was mich über alle Maßen freute. Die Lektorin Daniela Höhne war extrem geduldig mit mir, meine Formatierung brachte sie, glaube ich, an den Rand des Wahnsinns, ihre Korrekturen begannen mit "Ich mag Ihre Geschichten, ehrlich, aber...".
"Ich gelobe Besserung bei meinem nächsten Buch", antwortete ich. In Hoffnung darauf, dass es ein nächstes Buch geben wird. :-)
Zwischen dp-Programmleiterin Stephanie Schönemann und mir flogen die Emails hin und her, Ideen, Änderungen, Verbesserungen, irgendwann nahm das Projekt Form an. 
Besonders spannend war für mich das Thema Covergestaltung. Vom Ergebnis bin ich begeistert. Danke, Birgit Stolze, dass Sie meine Idee Ein Sofa, auf dem Freunde Platz nehmen würden, denen ich von meinen Erlebnissen erzähle so grandios umgesetzt haben. Ich bin schon einige Male auf die hübsche Gestaltung angesprochen worden. 

Noch nicht bestellt? Dann aber los!

Mit den Rezensionen auf amazon, lovelybooks und in diversen Blogs wie Willkommen im Kremplinghaus oder Samtpfoten mit Krallen kann meine Autorenseele wunderbar leben. Ich danke allen, die sich mit meinem eBook auseinander gesetzt haben, wo doch der Alltagswahnsinn einen von so vielen Dingen abhält.

Für alle, die ihren Kindle oder Tolino noch mit unterhaltsamen Kurzgeschichten und Alltagsbeobachtungen für ihren Urlaub bestücken möchten, empfehle ich mein Buch.
Und allen, die viel in Bussen und Bahnen unterwegs sind und an Haltestellen herumhängen müssen, lege ich es ebenfalls ans Herz. Und jenen, denen beim Lesen in der Badewanne dauernd die Seiten von der Gala und Brigitte nass werden, sowieso.

Ich wünsche viel Vergnügen und freue mich über eure Kommentare und Rezensionen!