22. November 2016

Follow you, follow me

Es ist gar nicht so einfach, Menschen für seinen Schreibblog zu begeistern. Oder sie sind begeistert, geben ihrer Begeisterung aber keinen Ausdruck.
Eventuell mündlich in einem persönlichen Gespräch, worüber ich mich sehr freue.
Oder durch einen Facebook-Kommentar, jedoch selten im Blog direkt. Dabei würde mich das noch mehr motivieren und die ganze Chose beleben. Genau wie viele Follower.

Es wäre ein Leichtes, viele Leser zu bekommen, vor allem männliche, wenn ich einfach den privaten Emailaustausch mit meiner ebenfalls bloggenden Freundin Pia Ersfeld veröffentlichen würde. Dies erlaube ich mir aber nicht.
Daten- und Jugendschutz, Sie verstehen. ;-)
Die Eltern lesen mit.
Hallo, Mama.

Um noch einmal auf die Follower zurück zu kommen, zitiere ich hier doch kurz meine liebe Freundin Pia in einer Mail von neulich:

Liebes, genieße gerade Deine schönen neusten Geschichten. Da fiel mein Blick auf Dein Google-Follower-Dingens. Sag mal, hast Du mal irgendwann ein Nacktfoto gepostet oder warum sind da fast nur Männer? ;-) Die Frau Meyer, hihi.

Oh.

Da musste ich doch einmal nachsehen, und tatsächlich: Nur Herren. Ein paar bekannte und von mir sehr geschätzte Jungs, die ich persönlich kenne, aber auch sehr viele mit englischen Namen. William, John, Henry, Godwin.
Ich gucke mir auf blogger.com die Publikumsstatistik an, also die Länder, aus denen auf meinen Blog zugegriffen wird.

Das Ergebnis ist erstaunlich.


Zunächst dachte ich, dass vielleicht das eine oder andere Goethe-Institut anhand meines im *räusper* einwandfreien Deutsch formulierten Blogs meine Muttersprache erlernt. Oder dass sich die Männer, die sich auf Google + in Soldatenuniformen präsentieren, an ihrem Einsatzort langweilen und meine Geschichten zum Zeit- vertreib lesen.

Nennen Sie mich naiv.

Mein Bruder fragte mich, ob ich schon mal was von Love Scamming oder Romance Scamming gehört hätte.
Hatte ich, doch was sollte das mit mir zu tun haben?
Nun gut, ich habe in meinen Blog kein Geheimnis daraus gemacht, dass ich Single bin. Und über Facebook hatte ich merkwürdige Freundschaftsanfragen von Männern mit englischen Männernamen in Uniformen oder mit Kindern auf dem Profilbild erhalten.

Zufällig liefen in den letzten Wochen und Monaten TV-Berichte wie Um Geld und Gefühle betrogen im ZDF oder in der Aktenzeichen XY-Sondersendung zum Thema Betrug, in der von einer Frau berichtet wurde, die letzten Endes 100.000 Euro an eine ihr unbekannte männliche Bekanntschaft überwiesen hat. Ich gebe zu, dass ich in dem einen oder anderen Fall ehrlich dachte: "Wie kann man nur so blöd sein?", die Methoden der Love bzw Romance Scammer sind aber offenbar extrem perfide.

Organisierte westafrikanische Banden ("Nigeria-Connection") kontaktieren mit Fake-Accounts und geklauten Fotos einsame und bindungswillige Frauen über Facebook oder Singlebörsen. Und weil wir Frauen nach längerer emotionaler und körperlicher Durststrecke empfänglich für Komplimente von smarten Herren sind, läuft das miese Geschäft so gut.

Auch das Netz ist voll von traurigen Geschichten und Artikeln, die vor den sogenannten Scammern warnen, ich verweise hier sehr gern auf den Link der Polizeiberatung.

Ebenfalls sehr lesenswert ist der Blog zu diesem Thema von der freien Kommunikationsdesignerin und Texterin Victoria Schwartz, die ebenfalls Opfer eines Romance Scammers wurde und nun anderen Opfern beratend zur Seite steht.

Ich werde sicher einige Follower verlieren, wenn ich sage, dass es bei mir absolut gar nix zu holen gibt. Weder Geld, noch mein Herz.

Dear William, dear John, dear Henry, dear Godwin, dear whoever,

I am sorry to say that there is no money I could send you.
Do not even dare to ask me!
I hope and I am sure that every fake account creator and user will be punished somehow someday.

Or to say it in German


Über Follower, die meine Geschichten schätzen und kommentieren, freue ich mich weiterhin.

Siehe oben.
:-)

















16. Oktober 2016

Smartphonefrei auf Norderney

"Da kann sich einer den Kopf dran stoßen."

Der Opa nörgelt nur noch ein bis zwei Mal wegen des für Mitreisende gefährlich verstauten Rollators. Dann gibt er auf. Während der Rest der Familie Karten spielt, unterhält er sich mit einem Ehepaar, das mit ihm den Tisch im Großraumwagen des Intercity teilt.

"Ja, ich war schon Mal auf Norderney. Ist aber schon ein Weilchen her. Nach´m Kriech haben se mich da hoch geschickt, damit ich ein paar Pfunde zulege. War schön da, gute Luft. Und das Meer!"

Mir fällt ein, dass Norderney in meiner Grundschulzeit das Ziel einer von uns Knirpsen sehr gefürchteten Kinderlandverschickung war. Gruselige Geschichten über Kinderheime, Heimwehtränen, ungenießbares, nur der Mast von mageren Kindern dienendem Essen kursierten auf dem Pausenhof. "Heike war in den Sommerferien auf Norderney", flüsterten wir uns zu, während wir versuchten, Veränderungen an der Mitschülerin festzustellen. Hatte man sie zum Essen gezwungen? Hatte man ihren Willen gebrochen? Norderney regte unsere Phantasie an. Es war Guantanamo und Alcatraz in einem. Oder zumindest das, was Frankfurt für Alm Öhis Enkelin Heidi bedeutete. Ich war heilfroh, dass ich nie dorthin musste.

Und jetzt freue ich mich auf die Insel. Der Zug fährt durch plattes Land, hinter Münster dominiert der rote Backstein, die Häuser werden immer putziger. Aufgeräumte Gärten. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Inzwischen bin ich so entspannt, dass ich die Gespräche um mich herum ausblenden kann. Weil ich mein Smartphone zuhause vergessen habe, bleibt mir noch mein Buch, Der Distelfink, in das ich mich bereits nach den ersten gelesenen Seiten verliebe. Vor allem in den dreizehnjährigen Theo Decker, die Hauptfigur des Romans.

Am Rande der Park Avenue standen Kolonnen von roten Tulpen in Habtachtstellung, als wir vorbeijagten. Bollywood Pop - zu einem leisen, beinahe unterschwelligen Wimmern heruntergedreht - glühte in hypnotisierenden Spiralen an der Schwelle meines Gehörs.

Ich lese eine derartig feine, sensible Sprache voller Freude und gleichzeitiger Demut. Donna Tartt schreibt so wunderbar, dass ich das Buch nicht weglegen und gleichzeit sofort und für immer mit dem Schreiben aufhören möchte. Niemals wird mir solch ein Werk gelingen, und während mein Zug durch Leer fährt, werde ich melancholisch. Diese Stimmung hält auch auf der Fähre an. Um mich herum lauter Familien oder Paare. Ich nehme an einem Tisch Platz, eine Bedienung nimmt die Bestellung auf. Meine Seele verlangt nach Kakao mit Sahne. Den zahlen übrigens meine Mitreisenden, denn kurz bevor wir im Norderneyer Hafen ankommen, gehe ich an Deck und mache mit meiner in letzter Zeit vernachlässigten Kamera Fotos. Nun, da mein Smartphone in Düsseldorf liegt (hatte ich schon erwähnt, oder?), kommt sie endlich wieder zum Einsatz. Ich lasse mir die steife Brise um die Nase wehen und vergesse, den Kakao zu bezahlen.



Zwei Tage später treffe ich in der Weißen Düne eine Dame aus Mettmann, die die Rechnung übernommen hat. Sie möchte auf gar keinen Fall das Geld zurück haben. Ich glaube, Inseln machen Menschen großzügig. Vor allem Nordseeinseln. 

Nachdem ich meine seit zehn Tagen urlaubende Mutter in die Arme geschlossen habe, zeigt sie mir, wo es überall schön ist. Aus der einfachen Pension, in der wir vor vierundvierzig Jahren einen Urlaub verbracht haben und an die ich mich überhaupt nicht erinnern kann, ist ein stylishes Hotel mit Restaurant geworden.

 

"Ich muss jeden Tag mindestens einmal ans Meer", erzählt mir meine Mutter. Ich selbst bin nur drei Tage hier und - klar - ans Meer muss ich auch. Gerade im Herbst wechselt das Licht, der Strand sieht ständig anders aus. 




Wir trinken einen Tee im Café Marienhöhe, genießen die Aussicht auf vorbeifahrende Schiffe. Draußen regnet es.


Und wie im richtigen Leben, folgt auch an der See auf Regen Sonnenschein.







Ich atme tief durch, wie man es nur an der See kann.  
Sehr wahrscheinlich ziehe ich hierhin.
Oder komme wieder zum Urlaub machen her.

Mal sehen.



Roman Der Distelfink Donna Tartt 
Goldmann Verlag  ISBN 978-3-442-47360-1

Fotos ©  Britta Meyer






 


 



 

13. Oktober 2016

Nicht mein Tag

Ich stehe am Gleis und warte auf die U79 zum Hauptbahnhof. Reise für drei Tage nach Norderney, meine Mutter macht dort Urlaub, ich möchte sie besuchen.
Ein Blick auf die große Uhr. Mich trifft fast der Schlag. Es ist eine Stunde später als ich dachte. Ich habe meinen Wecker falsch gestellt, es ist halb 9, nicht halb 8, auf der Uhr am gegenüberliegenden Gleis genauso. Als ich gerade losheulen möchte, weil ich eine Fähre ohne Frau Meyer an Bord von Norddeich Mole zur Insel übersetzen sehe, sagt eine Frau:
"Sie haben bestimmt auch gedacht, Sie hätten verschlafen. Die Uhr hier oben geht eine Stunde vor. Es ist erst halb 8." Ich atme tief durch. Wach bin ich jetzt jedenfalls.

Am Hauptbahnhof gehen auch alle Uhren genau eine Stunde vor. Ich möchte das fotografieren. Bahnhofsuhr versus Armbanduhr. Das Ganze auf Facebook, Überschrift: Bluthochdruck. Wühle in meinem Rucksack nach meinem Smartphone. Finde es nicht. Ist normal, ich finde nie etwas in Taschen und Rucksäcken. Wühle weiter, finde das Smartphone immer noch nicht. Bekomme Panik, als hätte ich ein lebenswichtiges Medikament zuhause vergessen. Das Lustig-Foto mit der Uhr ist piepegal, aber wie wird meine Mutter reagieren, wenn ich auf ihre Whatsapp nicht antworte? Nach Hause fahren und das Smartphone holen liegt nicht mehr in der Zeit. Die Fähre führe ohne mich, das geht nicht. Eine junge Frau, die ihr Smartphone bearbeitet, bitte ich, die Telefonnummer von Mamas Hotel zu googlen. Schreibe sie auf den Fahrkarten-Umschlag. Finde tatsächlich einen guten alten Münzfernsprecher, um den nicht vertrauenserweckende Gestalten herumschleichen. Möchte den Hörer mit Sagrotan besprühen, denke jedoch daran, dass ich meine Mutter schnell erreichen muss und wähle. "Herzlich willkommen in der Reservierungszentrale der Michels Hotels, Sie rufen außerhalb unserer Geschäftszeiten an. Sie erreichen uns montags bis freitags..". Ich lege auf, 1 Euro ist weg. Habe noch fünfzig Cent Kleingeld. Was tun? Mein Zug fährt gleich los. Ich rufe meine Tante an, deren Festnetznummer habe ich im Kopf. Habe keine Zeit, höflich zu sein und bitte sie, meiner Mutter eine Whatsapp zu schicken, dass ich mein Smartphone nicht dabei habe und sie um fünfzehn Uhr an der Rezeption ihres Hotels treffen werde.

Kaufe mir bei Ida & Frida ein gesundes Brötchen und am Gleis einen Cappuccino. Streue Zimt drauf. Zimt ist gut für die Nerven. Schaue auf meine Platzreservierung. Wagen 3, Platz 71. Dort richtet sich gerade ein Ehepaar gemütlich ein.

"Entschuldigung (warum entschuldigen sich Frauen immer?), ich glaube, das hier ist mein Platz", sage ich,  durchaus freundlich, während ich umständlich den Reservierungsbeleg aus meinem Rucksack nestele. 
"Nein, wir haben hier reserviert", antwortet die Frau. "Wagen 2, Platz 71 und 73."
"Dies hier ist Wagen 3", freue ich mich und zeige auf die Wagennummer. Das Paar entfernt widerwillig seine Jacken und Taschen.
Möchte meiner Freundin den chaotischen Tagesbeginn per Whatsapp mitteilen. Geht nicht. Das Smartphone liegt zuhause.

Stattdessen und mit freudiger Erwartung wende ich mich meiner Urlaubslektüre zu, die ich jungfräulich (das Buch, nicht ich) mit auf Reisen genommen habe. Der Distelfink von Donna Tartt. Atme wieder tief durch, nehme einen Schluck Cappuccino und beginne zu lesen. Komme aber nur bis zur Widmung.

Für Mutter, für Claude.

Eine gerade zugestiegene Familie lenkt mich ab. Oma, Opa, Mutter, zwei Kinder in der Pubertät. Es wird über die Platznummern orakelt. 
"Nein, wir sitzen hier, steht doch hier 88, 86, 84, 82 und drüben die 81. Nein, nein, bleiben Sie sitzen, wir sitzen hier, nur einer von uns sitzt neben ihnen."
Koffer werden hochgewuchtet, ein Rollator ganz oben drauf gelegt.
Dem Opa gefällt das nicht.
"Da kann sich einer den Kopf dran stoßen."
"Nun setz dich, der Rollator ist festgeklemmt."
"Ja, aber da kann sich einer den Kopf dran stoßen."
Die Mutter verteilt Brötchen.
"Wir essen alle Brötchen, nur Mama isst immer Brot."
"Da kann ich sich einer den Kopf dran stoßen."
"Hier, vegetarische Fleischwurst."
"Mama isst immer nur Brot. Warum isst du keine Brötchen?"
"Können wir Skip-Bo spielen?"
"Da kann sich einer den Kopf dran stoßen."

Bessere Dialoge hätte Loriot sich auch nicht ausdenken können.

Und wir sind erst in Duisburg.             

Kopenhagen, lecker und hyggelig

Ich bin Dänin.
Seit meiner Reise nach Kopenhagen Anfang Oktober weiß ich das ganz sicher.

Schon der Kopenhagener Flughafen gefällt mir. Die Lämpchen, die hier im Snackrestaurant oder auf der Toilette hängen, hätte unsereins gern im Wohnzimmer. Dänemark, und besonders Kopenhagen, ist ein Paradies für Designfreunde.

Der Kopenhagener Flughafen gefällt mir auch deshalb, weil mir dort direkt nach Ankunft dieser Schauspieler über den Weg läuft, den ich so gut finde. Leider fällt mir sein Name nicht ein, ich habe ihn aber neulich in einer älteren Folge von Unter anderen Umständen gesehen. Ich erfasse den Arm meiner Freundin Martina und flüstere sehr laut: "Da....da...hast du gesehen...das ist dieser dänische Schauspieler. Mist, wie heißt der denn noch? Der ist kleiner als ich dachte. Und über diese Porno-Piloten-Brille müssen wir auch noch mal sprechen." Ich drehe mich um. Weg ist er, der Mann ohne Namen. Spätestens jetzt weiß ich: Kopenhagen wird gut.

Kopenhagen wird wirklich gut.

Nach nur fünfzehn Minuten Fahrt für 5 Euro pro Person hält der Zug am Hauptbahnhof.
Unser Hotel liegt fünfzehn Gehminuten vom Bahnhof entfernt im angesagten Stadtteil Vesterbro (früher Rotlicht, heute Bars und Burger). Vor dem Radisson SAS, das circa sieben Gehminuten von unserer Unterkunft entfernt ist, beginnen die Fahrten mit den Hop on/Hop off-Bussen. Für 34 Euro darf man 48 Stunden Doppeldecker-Bus und Bötchen fahren und an 31 Stationen aussteigen. Zur ersten Orientierung empfehle ich die Mermaid-Tour. Verwirrend ist, dass die beiden Konkurrenz-Unternehmen Gray Line und Red Busses Touristen in nahezu identisch aussehenden roten Bussen durch die dänische Hauptstadt, die ungefähr so viele Einwohner wie Düsseldorf hat, schaukeln. Es ist nicht zu verstehen, warum das eine Unternehmen nicht seine Busse umlackieren lässt. Wenn ich Busfahrer wäre, hätte ich schon längst selber Hand angelegt. "Sorry, this is not the ticket for OUR busses, you have to go there" hören wir zum ersten Mal, als wir die Lille Havnfru, die kleine Meerjungfrau, gemeinsam mit achtundfünfzig anderen Menschen besuchen.



Zum Ende der Reise haben wir das "Sorry, this is not the ticket for OUR busses" gefühlte dreißig Mal gehört. Auf der Mermaid Tour halten die Busse unter anderem am Gammeltorv, der sehr aufgeräumt aussieht, und am Nyhavn, dem sehr touristischen Hafenbecken. Von dort aus unternehmen wir eine absolut empfehlenswerte Bötchenfahrt in den Kopenhagener Hafen und durch die Kanäle, die an Amsterdam erinnern.



Die Hop on/Hop off-Touren ersparen einem nicht nur die öffentlichen Verkehrsmittel, per Kopfhörer erfährt man auf Deutsch und elf andere Sprachen etwas über die Geschichte, die Sehenswürdigkeiten, die Architektur und das Lebensgefühl der Dänen, die - laut Umfrage - die glücklichsten Menschen der Welt sind.

Das Zauberwort heißt hygge. Zusammensein mit Menschen, die man mag, gemütlich zusammensitzen, Schönes denken, das ist hygge. Ausführlicher und besser beschreibt dieses Lebensgefühl die Huffington Post. Kopenhagen ist hyggelig und ein Großteil der Kopenhagener wirkt sehr entspannt und zufrieden. Ist es dieses Lebensgefühl, dass die Menschen hier so unverschämt gut aussehen lässt? Oder sind die Menschen so zufrieden, weil sie so attraktiv sind? Zum  entspannten Leben in der Stadt tragen die vielen extrem gut ausgebauten Radwege bei. In fast alle Richtungen fährt man sehr bequem mit dem Rad, und besonders häufig sieht man Männer mit einem Christiana- Bike Bierkästen, ihre Kinder und Ihre Ehefrauen herumfahren.

Den alternativen Stadtteil Freistadt Christiana durchqueren wir im Rahmen einer Bustour.
Villa Kunterbunt meets Hafenstraße Hamburg, dazu kostenloses Passivkiffen. Sehr interessant.





Von Christiana aus schlendern wir zur Papierinsel, in dem sich in alten Gebäuden der Papierfabrik neben Kunstgalerien auch ein einzigartiger Streetfood Market mit über zwanzig Wagen und viel Platz zum Essen, Trinken und Schauen befindet.








Nur das Schauen ist kostenlos, ansonsten ist Kopenhagen für Freunde von Nahrungsmitteln, zu denen ich mich selbstverständlich zähle, nicht gerade preisgünstig. Preiswert ist es allemal, denn die Qualität der Speisen ist fantastisch. Kopenhagen zählt zu den "grünsten" Städten weltweilt, es gibt viel Regionales, Veganer können sich wohlfühlen, viele Bio-Märkte, es ist auf jeden Fall sehr lecker. Auch die Burger und vor allem das Smørrebrød. Die Dänen beherrschen die Kunst des Stullenschmierens, alles schmeckt so römtömtömtöm. :-)





Um verschiedene Bars, Cafés und Restaurants zu testen, empfehle ich einen Bummel über die Kompagnistraede, auf der ich in Bertels Salon den köstlichsten und teuersten (aber egal) Käsekuchen meines Lebens aß. Achtung: Hier darf man nur mit Karte zahlen. Dies gilt übrigens auch für viele kleine Imbisse auf der Straße, wie zum Beispiel für den Hot Dog-Stand vor dem Rathaus.





Ebenfalls auf der Kompagnistraede kann man mittags ein vegetarisches All-you-can-eat-Buffet für umgerechnet 11 Euro im RizRaz genießen.

Der Schauspieler, dessen Namen mir partout nicht einfallen wollte und der ein bisschen etwas von Götz George hat, kehrt bestimmt gern mal ins kreuzberg auf ein kleines Bier ein. Wobei klein in Dänemark 0,4 Liter meint.

Nach drei Tagen in Kopenhagen bin ich sehr satt nach Düsseldorf zurückgekehrt. Nicht nur wegen der kulinarischen Köstlichkeiten, den vielen Sehenswürdigkeiten, die so herrlich nah beieinander liegen. Nein, richtig glücklich und zufrieden. 
Seelisch satt.

Meine Eltern haben mir nicht zufällig einen skandinavischen Vornamen verpasst.
Ich bin Dänin.
Seit Anfang Oktober weiß ich das ganz sicher.


P.S. Der Schauspieler, den ich zuhause gegoogelt habe, damit ich wieder ruhig schlafen kann, heißt  Magnus Krepper  Er ist übrigens Schwede. :-)

Fotos ©  Britta Meyer

29. September 2016

Frau Meyer in love

Mein Urlaub ist fast vorbei, und ich bin immer noch allein im Allgäu unterwegs. Meistens geht es mir sehr gut damit. Ich fahre Rad, ich wandere herum, schwimme und hüpfe am Nachmittag in die Sauna. 
 
Auf der Buchenberg-Alm


Forggensee

 
Lech

Abends sitze ich allein am Tisch und außer der Begrüßung meiner Tischnachbarn und der Bestellung meines Essens rede ich nichts.

Ich habe mich daran gewöhnt. Wider Erwarten ist Viggo Mortensen nicht angereist.*  Und selbst wenn, was hätte ich mit dem dänisch-amerikanischen Schauspieler schon abends an der Hotelbar reden sollen? Nicht einen einzigen Herr der Ringe-Film habe ich gesehen und über Pferde weiß ich quasi nichts. Die Konversation würde vermutlich sehr zäh verlaufen.

Frau M.:  Wie geht es den Kindern?
Herr M.:   Alles gut.
Frau M.:  Und wie isset in Hollywood?
Herr M.:   Läuft.
Frau M.:  Und die Malerei?
Herr M.:   Muss.

Kein Viggo, auch kein Tobias oder Heinz.
Kein Küssen in Füssen.  

Es hätte so schön sein können.

Nach dem Abendessen gehe ich meistens eine kleine Runde und dann ziemlich früh in mein Zimmer, um zu lesen oder ein paar Whatsapp auszutauschen, manchmal auch mit dem ZBEF, dem ziemlich besten Ex-Freund. Der schickt mir ein Foto von einer Ouzo-Party an einem nord- griechischen Strand. Ich schreibe ihm zurück: 
An diesem Strand könnte ich jetzt auch sitzen, wenn es mit uns besser gefluppt hätte. 
Sieht schön aus, euch noch viel Spaß. 
Hänge ein Bild von den Semmelknödeln mit Steinpilzen an, die ich gegessen habe.

Verliebt habe ich mich trotzdem.
Und das kam so:

Nach einer Radtour durch Bad Faulenbach (der perfekte  Name für einen Urlaubsort, nicht wahr?) und ein Waldstück erblicke ich ihn und bin sofort hin und weg. 

Meine neue Liebe ist ein See. 

Inmitten all der Allgäuer Seen, die ich während meiner Touren rund um Füssen entdeckt habe, ist er der schönste: Der Alatsee.

Facettenreicher und tiefgründiger als so mancher Mann :-).






Mit Spaßfaktor



Der kurze Schockmoment des Eintauchens dauert gar nicht lang. Dann überwiegt die Freude über das weiche Wasser. Ich möchte Jauchzen und mache das auch. Lege mich auf den Rücken und lasse mich treiben, bis mir wieder kalt wird. Schwimme zu den Seerosen, schaue in die Berge. Wundervoll. 

Dieser Tag am See wird mir lange in Erinnerung bleiben. 
Der ganze Urlaub wird mir lange in Erinnerung bleiben. Mein Allein-im-Allgäu-Erfahrungstrip hat mir gut getan. 

Morgen fliege ich mit meiner Freundin Martina nach Kopenhagen und komme sicher mit ein paar Tipps für euch zurück.  Herrn Mortensen hätte ich um Empfehlungen bitten können. Wenn er seinen Urlaub in Füssen verbracht hätte.
Laut Wikipedia hat mal in der dänischen Hauptstadt gelebt.
;-)


  Charly Hübner und Sebastian Koch übrigens auch nicht.


Und hier geht es zu den anderen Teilen meiner Allgäu-Reise:

1. Teil    Allein ins Allgäu
2. Teil    Allein (fast allein) vom Kloster in die Weinstube
3. Teil    Verfahrene Situation



Fotos ©  Britta Meyer