30. Mai 2015

Wunschlos glücklich

Wir sitzen da, wo ich früher in den Sommerferien mit Oma Maria Erbsen gedöppt habe. Hinterm Haus im Garten.

Den Wintergarten, der uns vor Wind und Regen schützt, gab es damals noch nicht. Oma hätte er gefallen, da bin ich sicher.

Auf dem Tisch stehen Wein, Sekt, Chips, Süßigkeiten.

Auf den Tisch kommen Themen, wie sie auf den Tisch kommen, wenn Familienmitglieder lange nicht mehr richtig schön zusammengesessen haben. Auf der Beerdigung meines Vaters fanden wir, wir müssten uns bald wiedersehen, uns updaten, reden. Und planten das Cousin/Cousinen-Treffen, an dem heute außer mir meine Cousine J., Cousine V., Cousine C. und mein Bruder T., der Quotenmann, teilnehmen.

Wir reden. Hauptsächlich über unsere Kindheit und Jugend, über früher, über die Familien, über Schwärmereien, Ex-Partner und über das heute, die Kinder (so vorhanden), die Jetzt-Partner (aber nur ganz wenig), Urlaube, Krankheit. Darüber, was uns ärgert und was uns glücklich macht.

Zu späterer Stunde haben wir den veganen Wein probiert (mein Bruder ist Vegetarier, Cousine J. meinte es besonders gut), den Sekt, da schießt es quasi aus Cousine C. hervor:

„Seit ich den Thermomix habe, habe ich keine Wünsche mehr."
Keiner spricht.
„Wirklich. Ich habe so lange gequengelt, bis ich den Thermomix gekriegt habe. Der ist super, der kann alles, ich bin total glücklich damit.“ Sie bekommt feuchte Augen, als hätte sie gerade eine neue, eine ganz große Liebe beschrieben.
Wir staunen.
„Ich weiß, es klingt blöd, aber ich habe wirklich keine Wünsche mehr. Ist ja irgendwie schrecklich, aber es ist so.“

Nun ist meine jüngste Cousine nicht die einzige, die mir von diesem technischen Multitalent vorschwärmt.
Meine Freundin F. ist Ernährungsberaterin und hat nicht nur einen Thermomix, sondern weitere Exemplare verkauft. Meine Freundin J. hat mehrere Male köstliche Sachen für mich gezaubert. Auch mit Hilfe dieser Küchenmaschine, dem Mercedes/Porsche/Volvo (bitte aussuchen) unter den Haushaltsgeräten. Ich weiß auch, dass der Thermomix einen mehr als stolzen Preis hat. Dessen Ausgabe sich für mich nicht lohnen würde.

Ich führe einen Fast-Single-Haushalt und koche meistens nur für mich und meinen sporadisch auftauchenden Herrenbesuch (es handelt sich immer um denselben Herrn, nicht dass hier Missverständnisse aufkommen).

Abends Gemüse zu schnibbeln, lässt mich nach einem Arbeitstag runterfahren, ist meine Meditation.
Schnibbeln ist Zen.
Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln, Paprika, Auberginen, alles in Würfelchen und Würfeln, danach geht es mir gut.

Selbst geschnibbelt. Ooommm. (Foto: privat)

Alle die, die ich kenne und die die Küchenmaschine der Firma Vorwerk besitzen, haben viel mehr Haushalt um die Ohren als ich.

Freundin F. hat einen Mann und drei Kinder.

Freundin J. hat einen Mann und drei Kinder.

Cousine C. hat einen Mann und zwei Kinder.

Da ist Schnibbeln kein Zen mehr, sondern richtige Arbeit.

Doch das Zaubergerät schnibbelt nicht nur.

Weil ich immer noch nicht kapiere, was den Thermomix so begehrt macht und die Lieferzeit rechtfertigt, die der eines neuen 7er-BMW entspricht, bitte ich um Nennung weiterer Eigenschaften.

Cousine C. holt tief Luft und legt los wie eine Verkäuferin bei QVC, bloß schneller und überzeugender:

„Diese ultimative Küchenmaschine gibt es schon seit 1961, sie wurde immer wieder optimiert und neu aufgelegt. Rein faktisch kann man mit ihm alles: Zerkleinern, dünsten, schlagen, häckseln, pürieren, dampfgaren, aufkochen, kneten. Hmmmmm. Was noch?

Der Clou ist, der rührt und kocht gleichzeitig. Nix brennt an. Du kannst bedenkenlos in der Zeit, wo der Thermomix arbeitet, Körperpflege betreiben oder sonstigen Hobbys nachgehen. Der Grund, warum ich mich für dieses 1.109 Euro (ich schnappe nach Luft) Gerät entschieden habe, ist, du weißt, was im Essen drin ist. Kein Convenience, keine Tütchen mehr. Maggiwürfel werden selbst gemacht, das Gemüse zerkleinert konserviert. Schmeckt viel natürlicher.
Das isser. (Foto privat)
Du hattest jemals Angst vor Hefe- oder Brandteig? Nichts leichter als das!
Die Küchenwaage ist voll integriert. Schmeiß deine Küchenwaage raus, schmeiß alle Waagen raus. Ich sag nur: Werther´s Echte-Pudding oder Likör oder Toffitella, selbstgemachtes Nutella aus Toffifee. Das Gerät ist saugeil, aber auch sauteuer.“

Zu teuer für mich. Leider.

Die Eigenschaften des Thermomix klingen beeindruckend.

Doch er würde mich um meine After-Work-Meditation bringen.
Kommt nicht in Frage.

Schnibbeln ist Zen.

Ich stelle mir Oma Maria vor, die sogar ihren Kaffee in ihrer Holzmühle selber mahlte.

Die hätte mit dem Kopf geschüttelt und „Ach Chott, ach Chott“ gemurmelt.
Aber das Toffitella, das hätte ihr geschmeckt.

:-)

1 Kommentar:

  1. Dein Selbstgeschnibbeltes auf dem Foto sieht so ein bisschen aus wie Haribo Colorado. Oooommm :-)

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