24. Februar 2014

Entspannen Sie sich

Zwischen Lampenladen Horst und Erotikvideo-Kabinen befindet sie sich: Die Tür des Grauens. Besser gesagt: Die Tür zum Grauen. Sie ist der Eingang zur Praxis meines Zahnarztes. Um meine Dentistenphobie zu beschreiben, würde es ungefähr zehn Artikel bedürfen. Meine Angst ist irrational. Oder vielleicht doch nicht?

Mein erster Zahnarzt war Dr. Staede (ich darf ihn namentlich erwähnen, er ist schon lange tot). Er war bereits der Zahnarzt meines Vaters gewesen und hatte ihn als Kind immer mit dem Behandlungsstuhl hoch- und runterfahren lassen. Papa war begeistert. Ich konnte seine Begeisterung nicht teilen. Als Dr. Staede mich behandelte, war er schon ziemlich alt und zitterig, ließ oft etwas Fülllmaterial in meinen Mundraum fallen und zog einen meiner Zähne ohne Wurzel. Zwischen Wartezimmer und Behandlungsraum befanden sich zwei (!) dick gepolsterte, mit grünem Kunstleder bezogene Türen. So konnten die wartenden Jagd & Hund Leser zumindest nicht die Schreie der Patienten hören. Die Zahnarztbesuche meiner Kindheit haben mich geprägt. "The first cut is the deepest" singt Rod Stewart. Ja. Stimmt.

Es folgten weitere unschöne Erlebnisse bei anderen Dentisten, die der Grund sind, warum ich so einen weißen Kittel lieber aus großer Entfernung von hinten sehe. Nun habe ich inzwischen einen wirklich guten Zahnarzt gefunden, der einen etwas rauen, aber herzlichen Humor hat. Was mich jedoch fast in den Wahnsinn treibt, ist dieser "Entspannen Sie sich" Befehl, gesteigert durch "Nun entspannen Sie sich doch endlich mal!" oder "Es gibt keinen Grund zu verkrampfen. Sie können jetzt wirklich entspannen!"

Ich möchte dem Herrn Doktor gerne erklären, dass ich sicher entspannen würde, wenn ich, statt auf seinem Behandlungsstuhl von einem Bohrer traktiert zu werden, eine Shiatsu-Massage bekäme. Ich würde ihm auch gern von Dr. Staede erzählen.

Awer dab gehb nich mip fwei Tampombf un eimem Chpeichelchauger im Mumb. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen