23. Februar 2014

Lost im Eller Forst

Freitagabend: Versackattack. Samstagmorgen: Kopfattack. Ich vertrage einfach keinen Alkohol und würde mich einfach gern den Rest des Tages auf dem Sofa rumlümmeln. Dieser Wunsch wird getoppt vom Drang, unbedingt in die freie Natur zu gehen, frische Luft zu atmen. Ich will wandern. Ja, wandern. Am besten in einem mir unbekannten Gebiet. Beim Wandern kann ich zwei Ideen unter einen Hut bringen: a) Begib dich einmal im Jahr an einen Ort, an dem du noch nie gewesen bist b) Einfach mal die Fresse halten.

Und nun stehe ich also mit meinem Wanderführer "25 Wanderungen rund um Düsseldorf" in der Hand an der Endhaltestelle der Linie 715, der Vennhauser Allee in Eller. Ich habe mir die Route 15 ausgesucht. Von Eller nach Benrath. 10 Kilometer, 2,5 Stunden Wanderzeit. Prima. Von der Haltestelle gehen wir links in die Schlossallee... Aha, wir gehen. Das zu lesen, gibt mir das gute Gefühl, doch nicht ganz allein unterwegs zu sein. Der Autor läuft also mental mit mir mit. Was heißt denn links von der Haltestelle...? Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Toll. Ich bin noch gar nicht losgelaufen, da habe ich schon das erste Orientierungsproblem. Ich frage ein nett aussehendes älteres Paar, in welche Richtung denn die Schlossallee sei. Antwort: "Hier links von der Haltestelle". Das Buch hat recht.

Der Abstecher durch das Fachwerktor zum Schloss Eller lohnt. Ein reizendes Fleckchen mit einem Café, in das ich natürlich nicht einkehre. Ich habe noch 10 Kilometer vor mir und noch keine Pause verdient. Der Wanderweg führt mich weiter, den Eselsbach entlang in den Eller Forst.

An der Schutzhütte biegen Sie rechts ab in den mit D gekennzeichneten Weg. Ich sehe links eine Schutzhütte, aber rechts keinen Baum oder ähnliches, der mit D markiert ist. Mein Instinkt sagt "rechts abbiegen, auch ohne D", mein Kopf funktioniert wegen der Versackattack noch nicht richtig, also laufe ich einfach weiter geradeaus. Viele Wege führen zu "Peter´s Biergarten", meinem nächsten Ziel in der Nähe des Unterbacher Sees. Zu Ihrer Rechten fließt der Eselsbach und schon bald sehen Sie hinter dem Eselsbach einen Campingplatz. Ich sehe Gewässer, ein dünnes stehendes braunsumpfiges Bächlein. Es fließt nichts. Nach einem Wohnwagen, der vielleicht durch die Bäume schimmert, halte ich Ausschau, entdecke ihn aber auch nicht. Schließlich endet der Weg an einer stark befahrenen Straße. Ich gucke auf die Wanderkarte und weiß: ICH BIN TOTAL FALSCH!

Ein radelndes Pärchen weist mir den Weg, der leider nur 2 Kilometer zurück führt. Mist. Warum bin ich nicht meinem Instinkt gefolgt? Warum bin ich erst um 15 Uhr losgegangen? Wessen bekloppte Idee war es überhaupt wandern zu gehen? Ich grummele vor mich hin und gehe zurück durch den Eller Forst. Das bisher als liebliches Tirili wahrgenommenes Zwitschern der Vögel hört sich nun an wie ein höhnisches Keckern. Drecksviecher allesamt! Ich stehe wieder am Eingang zum Eller Forst, an der Schutzhütte und - siehe da - am gegenüberliegenden Baum prangt ein dickes weißes D. D wie dämlich! Als ich an "Peter´s Biergarten" ankomme, habe ich noch nicht einmal ein Drittel der Wandertour geschafft, aber zwei Drittel der geplanten Zeit gebraucht. Ich muss eine Currywurst essen, um meinen Ärger über mich selbst zu kompensieren. 

Weiter geht´s in den Hasseler Forst. Daran, dass ich mich am leuchtenden Grün der Sträucher und Bäume und den frischen Duft der Blüten erfreuen kann, erkenne ich, dass ich mich mit dem Wanderweg wieder versöhnt habe. Diese Baldrian-currysaucen machen doch Sinn. Danke, Peter! Herrlich, auch das Singen der Vögel, mit denen ich mich ausnahmsweise wieder versöhne. Ich bin die meiste Zeit völlig allein im Wald. Der starke Wind spielt mit den Baumkronen. Krkch. Kawumm. Ein mittelgroßer Ast verfehlt mich knapp. Die kleine Urangst, die mich gerade überfällt, verschwindet wieder, als ich etwas zügiger gehe und einen französischen Ohrwurm pfeife, den ich zur Zeit nicht loswerde. Das Pfeifen im Walde kann sehr beruhigen.

Meine Wanderung führt mich in den Benrather Forst, also kann ich nicht mehr allzu weit von meinem Ziel Benrath entfernt sein. Logisch. Mit dem selbst verschuldeten Umweg, dem Schlaf- und Konditionsmangel reicht es auch für heute. Einmal verlaufe ich mich noch und frage ein Pärchen (sie radelt, er joggt und bleibt nicht stehen) nach dem rechten Weg zur Großmutter, der ich Kuchen und Wein bringen will. Nee, Quatsch. Auf jeden Fall finde ich zu meinem Ziel. Und das vor Einbruch der Dunkelheit. Als ich in der S 6 die Schnürsenkel meiner Wanderschuhe lockere, weil die Knöchel schmerzen, und in meinen Apfel beiße, bin ich zufrieden. Und ich habe mir fest vorgenommen, den restlichen 24 Wanderungen aus dem Wanderführer und mir eine Chance zu geben.

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