Der Pulli mit dem Rollkragen war unglaublich warm und ich glaube, er kratzte auch ein bisschen, obwohl ich gar nicht empfindlich war, was das Kratzen von Wolle anging. Auf jeden Fall war der Pullover, den ich als Zwölfjährige trug, ein Gesamtstrickkunstwerk meiner Mutter, bestehend aus vielen, sehr harmonischen Farbenreihen, die in unterschiedlichen Mustern gefertigt waren.
Die Strickanleitung hatte Mama aus der Brigitte. Die Frauenzeitschrift lag bei uns auf dem Wohnzimmertisch, so lange ich denken kann. Anfang der 80er wurde viel gestrickt. Anfang der 90er begann ich mein eigenes Leben in Düsseldorf, zog in meine eine Wohnung und kaufte mir meine eigenen Zeitschriften. Auch die Brigitte. Ich strickte nicht, in den 90ern wurde nicht gestrickt, aber ich aß und kochte gerne und sammelte die Rezepte, die so anders waren als das übliche Einerlei. Und weil ich das Reisen liebte, las ich die Brigitte auch wegen der Reiseberichte.
Und weil ich das Schreiben liebe, habe ich mich als "Starke Stimme" mit einem Text auf brigitte.de anlässlich des 60jährigen Jubiläums meiner heißgeliebten Frauenbibel beworben. Dieser Artikel zum Thema Mitte 40, in dem ich mich mit dem Thema tragbare Mode und der Gelassenheit von Äußerlichkeiten betreffend auseinandersetze, ist heute veröffentlicht worden.
Ich freue mich sehr.
Auch über Euer Interesse am Projekt 60 starke Stimmen.
Die Texte sind so abwechslungsreich wie lesenswert.
60 Stimmen
P.S. Danke an meine Freundin Johanna (13), die die professionellen Fashion-Aufnahmen von mir gemacht hat.
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1. Juli 2014
24. Februar 2014
Bin ich Apfelrotkohl?
An Sonntagvormittagen liegen wir oft im
Bett, trinken einen Kaffee und blättern in Zeitungen und
Zeitschriften. Mein Freund liest die Rheinische Post oder Die Zeit. Wenn er dazu kommt. Ich quatsche ihm nämlich ziemlich häufig rein. „Das
ist doch unfassbar!“, entrüste ich mich. „Das kann doch nicht
wahr sein!“ „Guck mal, das sieht aber schön aus.“ Er muss dann
natürlich nach dem Grund meiner Aufregung fragen und kann selber
nicht weiter lesen. Der Arme.
Letzten Sonntag blättere ich in der
Brigitte. „Guck mal, das hier hört sich aber lecker an: Ofenzander
mit Fenchel und Granatapfel-Basmatireis.“ Er denkt kurz nach.
„Granatapfelkerne sind schwierig.“
Was das Thema Essen angeht, ist er eher einspurig unterwegs.
„Granatapfelkerne bleiben einem immer so in den Zähnen hängen.“
Was das Thema Essen angeht, ist er eher einspurig unterwegs.
„Granatapfelkerne bleiben einem immer so in den Zähnen hängen.“
„Nur, wenn man Jürgen Vogel heißt.
Wo sollen die denn bei dir hängen bleiben? Ich finde, das klingt
lecker!“
„Na, ich weiß nicht.“
„Dann gefällt dir dieses Gericht
bestimmt.: Rehfilet auf Birnenrotkohl.“
„Was ist denn Birnenrotkohl?“,
brummt der Zeit-Leser.
„Rotkohl mit Birnen statt mit
Äpfeln?“
„Ich mag Apfelrotkohl. Da weiß ich,
wie der mir schmeckt. Birnenrotkohl ist wieder so ein Experiment. Ein
erwartungswidriges Gericht.“
Erwartungswidrig fällt sehr oft im
Zusammenhang mit dem, was ich koche.
So langsam kocht etwas in mir.
Er raschelt wieder mit der Zeitung und nach
einer Weile blicke ich ihn von der Seite an und frage:
„Bin ich Apfelrotkohl?“
„Hä?“
„Bin ich Apfelrotkohl für dich?“
„Was meinst du mit´Bin ich
Apfelrotkohl für dich?´“
„Ob ich bei dir den Stand von
Apfelrotkohl habe? Ob du denkst: Alles okay so weit. Mit der Frau
kann man nichts falsch machen. Da kommt nichts Erwartungswidriges.
Bin ich Apfelrotkohl?“
Mein Bettnachbar starrt intensiv in seine Zeitungen und murmelt etwas Unverständliches. Er ist klug und weiß, dass er bei
dieser Diskussion nur verlieren kann.
Mein Blutdruck steigt nämlich ein bisschen:
Mein Blutdruck steigt nämlich ein bisschen:
„Wer will denn Apfelrotkohl sein? Also bitte! Welche Frau will Apfelrotkohl sein? Mindestens Birnenrotkohl! Oder besser noch: Granatapfel-Basmati-Reis!
„Aber ich mag Apfelrotkohl nun mal am
liebsten Was soll denn der Quatsch?.“
Ich
schweige. Kurz. Da fällt mein Blick auf einen knallroten Trenchcoat. Seit Jahren bin ich auf der Suche nach einem knallroten
einreihigen Trenchcoat.
„Guck
mal, der Trenchcoat hier. So einen suche ich schon seit Jahren."
„In
rot? Warum denn rot? Sind Trenchcoats normalerweise nicht
sandfarben?"
"Rote Trenchcoats sind wenigstens kein Apfelrotkohl!"
Wir schauen uns an und mein Freund konstatiert:
"Gut, dass uns keiner zuhört."
"Gut, dass uns keiner zuhört."
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